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Veröffentlicht am 03.06.2020, Eppingen

Wie kommen Familien gerade klar?

Im Interview gibt uns Diplom-Sozialpädagogin Ursula Mörsel von der DJHN gGmbH Einblicke in die aktuelle Lebenswelt von Familien und lässt die vergangenen Wochen Revue passieren.

von EPPINGEN.org Redaktion

Foto: pixabay.com #4880806
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Ho­me­schoo­ling, Ho­me­of­fice oder Kurz­ar­beit und wäh­rend­des­sen Kontakt­ver­bote: Seit einiger Zeit spielt sich bei vielen Fa­mi­li­en das Leben haupt­säch­lich zuhause ab – und das schon über mehrere Wochen. In solchen Ex­trem­si­tua­tio­nen ist es nicht einfach als Familie oder Paar zu­sam­men­zu­hal­ten. Im Ge­gen­teil be­deu­te­te der „Haus­ar­rest“ für viele Stress. 

Für die Mit­ar­bei­ter*innen so­zia­ler Ein­rich­tun­gen, die Fa­mi­li­en und Her­an­wach­sen­de in ohnehin schwie­ri­gen Le­bens­la­gen betreut, stellt diese Si­tua­ti­on eben­falls eine Her­aus­for­de­rung dar. 

DJHN Mit­ar­bei­te­rin und Fa­mi­li­en­be­ra­te­rin Ursula Mörsel gibt uns Aus­kunft. „Wir haben klare Vor­ga­ben und Richt­li­ni­en, an die wir uns halten. Im am­bu­lan­ten Bereich konnten wir zwi­schen­zeit­lich Fa­mi­li­en nur wenig direkt be­treu­en. Wir hatten daher die Me­tho­den an­ge­passt und te­le­fo­nier­ten mehr oder führten Vi­deo­chats durch. Mitt­ler­wei­le dürfen wir aber mit den ent­spre­chen­den Schutz­maß­nah­men wieder re­gel­mä­ßig Termine in den Fa­mi­li­en wahr­neh­men.

#Co­ro­na­El­tern

Viele Eltern be­rich­ten derweil in den so­zia­len Medien unter dem #Co­ro­na­El­tern deutsch­land­weit, davon sich allein ge­las­sen zu fühlen und mit der Si­tua­ti­on stark ge­for­dert zu sein. Wenn neben der Arbeit im Ho­me­of­fice und dem nor­ma­len Alltag, die Haus­auf­ga­ben zu be­treu­en, aus­zu­dru­cken und wieder ein­zu­scan­nen sind, Freunde zum Spielen weg­fal­len, sind sie häufig neben dem Beruf, Eltern, Lehrer und Freunde in einer Person. Kinder wie Eltern be­kom­men einen La­ger­kol­ler, weil die Mög­lich­kei­ten raus­zu­ge­hen stark ein­ge­schränkt sind. Kleine Dinge können da schon einen Streit ent­fa­chen. Die Er­schöp­fung durch die Mehr­be­las­tung steigt von Tag zu Tag. Warum die Bun­des­li­ga da sys­tem­re­le­van­ter als die KiTa ist, erzeugt da nur noch Un­ver­ständ­nis. Und so manchen stört es, wenn sich die ge­fähr­de­te Gruppe, dann un­be­schwert auf ein Bier vor der Stamm­knei­pe trifft, das Kind sich aber nicht mit Freun­den treffen darf. Dabei ist das Spielen mit Gleich­alt­ri­gen eben­falls von Be­deu­tung für die Ent­wick­lung des Kindes.

Ursula Mörsels Kol­le­gen und Ko­lle­gin­nen, die als Fall­arbeiter*innen in den Fa­mi­li­en tätig sind, spüren deut­lich, dass die Vor­ga­ben das Stress­le­vel der Fa­mi­li­en zu­sätz­lich erhöhen. Ins­be­son­de­re Fa­mi­li­en, die drin­gend auf Fremd­be­treu­un­gen wie Schule, Kita, Ganz­ta­ges­be­treu­ung, Ta­ges­grup­pe, Ju­gend­hil­fe im Le­bens­feld (JuLe) oder viel­leicht auch Ver­wand­te an­ge­wie­sen sind, spüren den er­heb­lich höheren Druck. Denn auch die anderen Rück­zugs­räu­me der Her­an­wach­sen­den ent­fal­len durch die zum Gro­ß­teil immer noch ein­ge­schränk­ten Kon­takt­bestimmungen. Sei es der Sport­ver­ein, das Ju­gend­haus, die Besuche bei Freun­den und deren Familie, die oftmals auch als Er­satz­fa­mi­lie dienen und für den jungen Men­schen einen wich­ti­gen Schutz­raum dar­stel­len. Diese In­sti­tu­tio­nen fun­gie­ren oftmals auch als Melder, wenn etwas in der Familie nicht stimmt. 

„Die Folge eines Kon­takt­ver­bo­tes ist oftmals ein dras­tisch er­höh­ter Me­di­en­kon­sum bei den jungen Fa­mi­li­en­mit­glie­dern wie auch bei den Er­wach­se­nen, der bis zur Sucht führen kann. Not­wen­di­ge Al­ltags­struk­tu­ren gehen ebenso wie ein ge­re­gel­ter Ta­ges­rhyth­mus zu­neh­mend ver­lo­ren“, so die Fa­mi­li­en­be­ra­te­rin. Die Haus­auf­ga­ben­si­tua­ti­on führt oft eben­falls zur Über­for­de­rung der Eltern. „Au­ßer­dem ist das re­gel­mä­ßi­ge Aus­dru­cken von Auf­ga­ben­blät­tern teil­wei­se auch eine Kos­ten­fra­ge“, gibt sie zu be­den­ken.

Foto: pixabay.com #403582
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Diese stetig wach­sen­de Über­for­de­rungs­si­tua­ti­on gepaart mit den exis­ten­zi­el­len Ängsten, die durch Kurz­ar­beit oder gar Verlust des Jobs mit ein­her­ge­hen, erhöht das Risiko von ag­gres­si­ven Aus­brü­chen, psy­chi­scher und phy­si­scher Gewalt. „Die Pro­blem­be­rei­che werden durch den Druck ver­stärkt und können so erst zu einer kin­des­wohl­ge­fähr­den­den fa­mi­liä­ren Si­tua­ti­on führen – diese wie­der­um kann manch­mal nur mit der In­ob­hut­nah­me des oder der jungen Men­schen ab­ge­wen­det werden.“, erklärt Mörsel die not­wen­di­gen Schrit­te.

Über Ursula Mörsel:

Ursula Mörsel ist Di­plom-So­zi­al­päd­ago­gin mit di­ver­sen Fort- und Wei­ter­bil­dungs­ab­schlüs­sen. Seit über 20 Jahren ist sie bei der DJHN tätig. Seit 13 Jahren ist sie im am­bu­lan­ten Kri­sen­in­ter­ven­ti­ons­team. Nachdem sie lange in der Praxis eng mit Fa­mi­li­en zu­sam­men­ge­ar­bei­tet hat, steht sie nun ihren Kol­le­g*innen haupt­säch­lich als Be­ra­te­rin zur Seite und ist mit den Ju­gend­amts-Mit­ar­bei­ter*innen im engen Aus­tausch. 

Ihren Beruf sieht sie als „Be­ru­fung“: „Die Arbeit ist ab­wechs­lungs­reich, es geht darum, die Sinn­haf­tig­keit von Ver­hal­tens­auf­fäl­lig­kei­ten der Kinder und Ju­gend­li­chen er­kenn­bar zu machen und ihre Be­dürf­nis­se daraus ab­zu­lei­ten. Es ist eine stän­di­ge Her­aus­for­de­rung mit un­ter­schied­lichs­ten Men­schen deren in­di­vi­du­el­les Schick­sal zu be­leuch­ten, die vor­han­de­nen Risiken und Res­sour­cen zu eru­ie­ren und ge­mein­sam zu er­ar­bei­ten, was das Kin­des­wohl ver­bes­sern und lang­fris­tig sichern kann."

An­lauf­stel­len

Im Land­kreis Heil­bronn

El­tern­hot­line des Kin­der­schutz­bund Heil­bronn: täglich (auch am Wo­chen­en­de) von 10 bis 22 Uhr

0162 898 77 68 

Hel­pli­ne für Kinder und Ju­gend­li­che der Stadt Heil­bronn für Sorgen und Nöte aller Art in Zeiten von Corona
 07131 56 41 57 

Be­ra­tungs­stel­le für Familie und Jugend des Land­rats­am­tes Heil­bronn
07131 994 338 
er­zie­hungs­be­ra­tungs­stel­le@​land­rats­amt-​heil­bronn.​de 

Foto: pixabay.com #1006102
Foto: pixabay.com #1006102
 

Psy­cho­lo­gi­sche Be­ra­tungs­stel­le des Dia­ko­ni­schen Werks Heil­bronn
07131 96 44 20  pbs@​dia­ko­nie-​heil­bronn.​de 

Psy­cho­lo­gi­sche Fa­mi­li­en- und Le­bens­be­ra­tung der Caritas Heil­bronn-Ho­hen­lo­he
07131 898 09 302  pfl@​ca­ri­tas-​heil­bronn-​ho­hen­lo­he.​de 

Ar­beits­kreis Leben e.V. Heil­bronn: Hilfe in Le­bens­kri­sen und bei Selbst­tö­tungs­ge­fahr07131 16 42 51

Ju­M­äx-Fach­stel­le des Land­rats­am­tes Heil­bronn: Hilfe nach se­xu­el­lem Miss­brauch von Jungen und Mädchen: 07131 994 400 • E-Mail: jumaex@​land­rats­amt-​heil­bronn.​de

Über­re­gio­na­le An­lauf­stel­len

Co­ro­na-Psy­cho-Hot­line des ZI-Mann­heim (8 bis 20 Uhr, kos­ten­frei)
0800 377 377 6

Te­le­fon­be­ra­tung für Eltern (Mo - Fr: 9 - 11 Uhr & Di + Do: 17 -19 Uhr, kos­ten­frei)
0800 1110550

Te­le­fon­be­ra­tung für Ju­gend­li­che (Mo  -Sa, 14 – 20 Uhr) 116 111 www.​num​merg​egen​kumm​er.​de

Jugend Notmail https://​www.​ju­gend­not­mail.​de/

Öku­me­ni­sche Te­le­fon­seel­sor­ge (kos­ten­frei)
0800 1110 111 oder 0800 1110 222 
Chat­be­ra­tung: https://​online.​tel​efon​seel​sorg​e.​de/

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