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Veröffentlicht am 17.06.2019, Eppingen

Warum strafen wir doch immer wieder? Teil II

Wir wollen es doch anders machen!!!

von Julia Link

Symbolbild / pixabay.com #2416718, RitaE
Symbolbild / pixabay.com #2416718, RitaE

Liebe Eltern und Interessierte,

im letztenArtikel haben wir die Aspekte Ärger, Wut und Rage und Angst und Sorge genauer betrachtet. Es gibt jedoch noch weitere Aspekte, die dazu führen können, dass wir im Umgang mit unseren Kindern Dinge tun oder sagen, die wir so nicht tun oder sagen möchten, einer davon ist Hilflosigkeit, Überforderung und Stress.

Im Alltag mit unseren Kindern passiert es sehr schnell, dass wir an unsere physischen und psychischen Grenzen stoßen, was in Überforderung, Stress und Hilflosigkeit endet. Dies ist ganz normal und längst kein Zeichen dafür, dass wir schlechte Eltern sind (auch wenn wir uns dann so fühlen). Genauer und vor allem nüchtern betrachtet, sind wir der Überforderung ja förmlich ausgeliefert: Den Alltag organisieren (Termine, Vereinsleben, Hobbys der Kinder, Schule, Arbeit usw.), für die Kinder sorgen, den Haushalt im Griff haben und ganz nebenbei die Bedürfnisse aller im Blick behalten und am Ende des Tages feststellen, dass man „wieder mal“ nur die Hälfte des Vorgenommenen geschafft hat. Dabei vergessen wir oftmals einen sehr wichtigen Part des Ganzen, nämlich uns selbst.

Das IST Überforderung und Stress auf Bestellung. Unsere Ansprüche an uns selbst sind so hochgesteckt, dass es nicht mehr menschlich und schon gar nicht mehr machbar sind. Ja natürlich, wir wollen gute Eltern sein! Dies gelingt auch oft und doch gibt es viele Faktoren, die uns im Alltag in Stress geraten lassen. Wir greifen dann, wenn auch ungewollt und unbewusst, auf alte Muster und Mechanismen zurück und finden uns in einem strafenden und drohenden Umgang mit unseren Kindern wieder. Auch die Verunsicherung und Hilflosigkeit hat dies zur Folge. Dabei ist es grundsätzlich erst mal nichts Schlechtes verunsichert zu sein, ein derartiger Zustand ermöglicht uns ja erst, dass wir uns auf unsere Kinder einstellen.

Führungsrolle übernehmen

Deshalb ist es von unendlich großer Wichtigkeit, dass wir Eltern gut auf uns selbst achten und gut für uns sorgen. Wir dürfen in uns hinein spüren, was ist zu viel, was zu wenig, was tut mir gut, was gut, was brauche ich, auf was möchte ich verzichten. Und ganz wichtig: nicht so streng mit uns selbst zu sein! Denn, nein, die Wäsche muss nicht sofort nach dem Waschen wieder in den Schrank und ja, ein Boden in einem Haus voll Kinder darf auch mal weniger glänzen als sonst. Und meine Güte ja, wenn heute mal keine Zeit für superfrisch gekochtes, megagesundes Essen war, dann können wir tatsächlich unseren Kindern keine größere Freude bereiten, als einfach auch mal eine Pizza zu bestellen!

Das alles macht uns noch lange nicht zu schlechten Eltern, im Gegenteil! Es macht uns zu Eltern, wie unsere Kinder sie brauchen, weil wir gut mit unseren Kräften haushalten und somit viel besser auf unsere Kinder eingehen können, wenn es darauf ankommt.

Julia Link
Julia Link

Julia Link ist staat­lich an­er­kann­te Er­zie­he­rin hat eine ein­jäh­ri­ge Wei­ter­bil­dung zur bin­dungs- und be­zie­hungs­ori­en­tier­ten Eltern- und Fa­mi­li­en­be­ra­te­rin ab­sol­viert. In Ihrer Kolumne BE­ZIE­HUNGs­WEI­SE - BE­ZIE­HUNG auf wert­schät­zen­de WEISE berät Julia Link Fa­mi­li­en zu den Themen El­tern-Kind & Kind-Kind-Be­zie­hung.

Julia ist Anfang 30 und stolze Mama eines Mäd­chens und eines Jungen. Da sie zurzeit Ihr drittes Kind erwartet, verbschiedet sie sich mit der aktuellen Ausgabe in die Babypause. Nach der Babypause ist sie wieder für Euch und Eure Fragen da.

 

Ein weiterer nicht unwesentlicher Aspekt

Scham, Druck von außen und Verantwortungsgefühl

Wer kennt sie nicht, die lieben U-Untersuchungen beim Kinderarzt, Entwicklungsgespräche in der Kita, Zeugnisse und Bewertungen in der Schule, Normen hier, Bögen da, Tabellen dort, Werte und Richtlinien überall. Unsere Kinder sollen bitte bestenfalls in alle reinpassen. Wehe dem ist nicht so. Dann finden wir uns ganz schnell in einem Strudel von Ärzten, Untersuchungen, Diagnosen, Therapien bis hin zu Rezepten für Medikamente, die unserem Kind „helfen“ sollen. Allein schon das darüber Schreiben erzeugt einen enormen Druck in mir. Und wie es unseren Kindern bei dem Ganzen geht, möchte ich nicht einmal erahnen. Zu all dem kommen dann noch die ständigen „Vergleichsgespräche“ unter Müttern und Vätern, die einen zusätzlich unter Druck setzen. „Warum läuft Hans mit seinen 10 Monaten schon und meine 14 Monate alte Sieglinde will noch nicht mal damit anfangen? Was mache ich nur falsch?“ Schwupps, wir reagieren schon wieder unsicher. Wir sehen also, die einzelnen Aspekte spielen auch häufig ganz stark zusammen. 

Ähnlichen druckvollen und beschämenden Situationen sehen wir Eltern uns nahezu täglich ausgeliefert und unser Verantwortungsgefühl ist auf Alarmstufe ROT: „Ich muss etwas unternehmen, ich habe das bisher alles falsch gemacht!“. Diese und noch viel mehr solcher Gedanken und Überlegungen sind die Folge davon. Das alles setzt so wahnsinnig unter Druck, beunruhigt und verunsichert. Doch, wo bleiben dabei unsere Kinder? Wo werden sie gesehen als die Individuen, die sie sind? Wem geht es denn noch wirklich um unsere Kinder, so wie sie sind, fernab jeglicher Raster und vorgegebenen Normen? Der Blick dahingehend ist bei vielen verloren gegangen. Leider! Wir leben in einer Leistungsgesellschaft, die sich Tag für Tag weiterentwickelt und deren Ansprüche Tag für Tag steigen – und es beginnt mit unseren Kindern! Ich kann sehr gut nachvollziehen, dass wir Eltern immer stärker unter Druck geraten und „zweifeln“. Sowohl an uns als auch an unseren Kindern.

Vertrauen schenken

Um Vertrauen in sich und seine Fähigkeiten zu entwickeln, braucht ein Kind jedoch langfristig die Erfahrung, dass seine Eltern ihm und seiner Entwicklung vertrauen. Doch in die Entwicklung unserer Kinder zu vertrauen, ist in unserer heutigen Leistungsgesellschaft eine sehr große Herausforderung. Denn wie alle Eltern haben wir den Wunsch, dass es unseren Kindern in ihrem späteren Leben gut gehen wird. Dieser Wunsch lässt uns im Familienalltag immer wieder dazu verleiten, unsere Kinder doch lieber zu kontrollieren und falls „notwendig“ auch zu sanktionieren, anstatt auf die Fähigkeiten der Kinder zu vertrauen, sie so in ihrem Selbstwert zu bestärken und wachsen zu lassen. Wir sind zum verlängerten Arm von Schule, Kita und Gesellschaft geworden. Dabei kränken wir unsere Kinder und riskieren, ihr Vertrauen in uns zu verlieren.

Ich möchte alle Eltern an dieser Stelle einladen, loszulassen, Vertrauen in ihre Kinder und sich selbst zu haben. Vertraut der Entwicklung Eures Kindes. Eure Kinder wissen, wann es Zeit für den nächsten Entwicklungsschritt ist, eure Kinder sind gut, so wie sie sind. Sie sind einzigartig und wichtig und wertvoll mit allem, was sie mit sich bringen. Wir Eltern dürfen darauf vertrauen, dass unsere Kinder ihren Weg kennen und ihn auch gehen… und zwar dann, wenn die Zeit dafür gekommen ist und nicht dann, wenn die Umwelt es für richtig hält!

Mit diesen Worten möchte ich mich nun in eine etwas längere Pause verabschieden, denn mein Mann und ich dürfen uns über die baldige Ankunft unseres dritten Wunschkindes freuen. Da ich diesem wundervollen Zauberwesen einen bestmöglichen Start ins Leben ermöglichen und unserer Familie in dieser aufregenden und spannenden Zeit all meine Liebe und Aufmerksamkeit schenken möchte, gehe ich vorübergehend in Babypause. Ich danke euch allen für euer bisheriges Interesse, die Offenheit und das Vertrauen und freue mich nach meiner Babypause, die Kolumne fortsetzen zu können. 

Eine wundervolle Zeit euch allen bis dahin. Und vergesst nicht: In Beziehung bleiben ist das A und O im Umgang mit allen, die uns am Herzen liegen. 

Herzlichst,
eure Julia ♥

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