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Veröffentlicht am 16.05.2019, Eppingen

Warum strafen wir doch immer wieder? Teil I

Wir wollen es doch anders machen!!! Kolumne: Bindungs- und beziehungsorientierter Umgang mit Kindern

von Julia Link

Symbolbild / pixabay.com #477010; Ilsa Runnels
Symbolbild / pixabay.com #477010; Ilsa Runnels

ich möchte noch einmal ein Stück weit die The­ma­tik des letzten Ar­ti­kels auf­grei­fen. Al­ler­dings aus einem ganz anderen Blick­win­kel. Wir haben letzten Monat sehr genau beäugt, was Strafen und ihre kleinen Ver­wand­ten mit unseren Kindern machen. 

Be­stimmt war vieles davon (viel­leicht sogar alles) für die meisten unter Euch schon klar und Ihr seid Euch dessen bewusst. Des­we­gen möchten es viele von Euch „anders machen“. Uns allen ist in­zwi­schen klar, um es anders zu machen, müssen wir unsere Kinder ver­ste­hen. Doch was viele dabei ver­ges­sen, bzw. außer Acht lassen, ist der wich­ti­ge Punkt, dass es ebenso wichtig ist, uns selbst zu ver­ste­hen!

Be­stimmt kennt Ihr Si­tua­tio­nen wie diese: Ihr wisst genau, welches Ver­hal­ten von Euch gerade das „Rich­ti­ge“ wäre und doch tut Ihr etwas, was Ihr doch ei­gent­lich nie (mehr) tun wolltet: Ihr schreit, straft oder, oder… „Huch! Was war denn jetzt los? Ich wollte doch immer ganz anders sein! “.
Oder viel­leicht kennt Ihr auch das Vor­ha­ben: „Ich mach es mal ganz anders als meine Eltern!“. Bis Ihr eines Tages an einen Punkt kommt, an dem Ihr fest­stellt „Du lieber Himmel, jetzt war ich genau wie sie damals. Das wollte ich doch nie! “.

Warum pas­siert das, wo wir heute doch so gut Be­scheid wissen?! 

Dies möchte ich ge­mein­sam mit Euch einmal genauer be­leuch­ten, da dies jedoch ein sehr um­fang­rei­ches Thema ist und man ein Buch damit füllen könnte, werde ich den Artikel in zwei Teile auf­tei­len, die Fort­set­zung folgt also im nächs­ten Monat.

Was pas­siert bei den oben be­schrie­be­nen Si­tua­tio­nen und vor allem warum?

Ja, die Theorie ist in den meisten von uns fest ver­an­kert (um ehrlich zu sein bin ich ja immer noch der Meinung, dass wir sowieso grund­sätz­lich alles in uns tragen, was es braucht, um ein Kind auf dem Weg zu einem glück­li­chen Er­wach­se­nen zu be­glei­ten). Doch ver­ges­sen wir oft einen wich­ti­gen Punkt: Wir sind  Men­schen! Mit eigenen Er­fah­run­gen, einer (Vor-)Ge­schich­te, eigenen Emo­tio­nen und Grenzen. Und niemand schafft es so gut, wie unsere Kinder, uns an unsere Grenzen zu bringen. Ur­sa­chen oder Gründe, die dazu führen, gibt es einige in der Ge­fühls­welt der Er­wach­se­nen, deshalb lasst uns mal genauer hin­schau­en:

Ärger, Wut und Rage:

Ich bin mir sicher, alle Eltern kennen das: Wir bitten unsere Kinder etwas zu tun oder zu un­ter­las­sen und sie kommen dem selbst nach mehr­ma­li­gem Bitten nicht nach. Früher oder später werden wir är­ger­lich und da pas­siert es! Wir tun etwas, was wir so nicht tun wollten. Doch warum? 

Ver­ant­wort­lich dafür sind häufig frühe un­er­füll­te emo­tio­na­le Be­dürf­nis­se. Diese sind an be­stimm­te Hand­lungs­im­pul­se ge­kop­pelt, die wie­der­um dazu führen, dass wir als Eltern bei Ärger so handeln, wie wir handeln. 

Was be­deu­tet das nun genau? 

Ein Grund für unsere Re­ak­ti­on könnte sein, dass wir uns als Kind nicht wahr­ge­nom­men und uns in unseren An­lie­gen nicht gesehen gefühlt haben. Ein wich­ti­ges emo­tio­na­les Be­dürf­nis (wert­voll und wichtig sein) blieb somit un­er­füllt. Dies führte damals dazu, dass wir uns ohn­mäch­tig, schwach und ge­de­mü­tigt fühlten und eben dieses Gefühl wird nun im Kon­flikt mit unseren Kindern „erweckt“. Wir fühlen uns nicht gehört und nicht ernst ge­nom­men, da unsere Kinder unseren Wunsch nicht be­ach­ten (so wirkt es zu­min­dest). 

Wir werden au­gen­blick­lich in den un­an­ge­neh­men emo­tio­na­len Zustand von damals ka­ta­pul­tiert und geraten unter Span­nung. Um unser System nun zu ent­las­ten und wieder Balance her­zu­stel­len, pas­siert dann fol­gen­des: Wir re­agie­ren mit Strafen oder Ähn­li­chem, um „Druck los­zu­wer­den“ indem wir das Gefühl der Hilf­lo­sig­keit von damals in Macht um­keh­ren. Macht, die wir heute haben, damals jedoch nicht. Dies hilft uns, uns für EINEN KURZEN MOMENT ent­las­tet zu fühlen. Wir richten unser Selbst auf, indem wir ge­gen­über einem Schwä­che­ren unsere Macht de­mons­trie­ren. So gesehen führen wir beim Ver­hän­gen von Strafen UN­BE­WUSST einen inneren Kampf mit uns selbst. 

So oder so ähnlich lassen sich auch die Gründe für Wut und Rage er­klä­ren. Al­ler­dings handelt es sich bei diesen Emo­tio­nen um schier über­wäl­ti­gen­de Ge­fühls­zu­stän­de. Dies be­deu­tet nicht, dass Wut etwas per se Schlech­tes ist. Im Ge­gen­teil, Wut ist eine sehr wich­ti­ge Emotion, um unsere Grenzen zu schüt­zen und zu wahren. Deren Ge­brauch kann durch­aus wert­schät­zend statt­fin­den. Werden wir jedoch sprich­wört­lich von der Wut über­mannt, so handelt es sich um auf­ge­stau­te Wut, deren Ur­sprung sich meist in der eigenen Le­bens­ge­schich­te findet und ganz und gar nichts mit unseren Kindern zu tun hat. Es gibt un­ter­schied­li­che Aspekte (ähnlich mit denen des Ärgers), die dazu führen, dass wir unsere Wut nur schwer re­gu­lie­ren können. So ist es bei­spiels­wei­se möglich, dass frühe Ver­let­zun­gen der Seele die Ursache sind. In diesem Fall haben wir als Säug­ling und/oder Klein­kind wenig Wärme und Zu­wen­dung, dafür viel Ab­leh­nung und Ab­wer­tung er­hal­ten und trugen deshalb damals schon eine enorme Wut in uns. Diese wurde jedoch un­ter­drückt, denn der Impuls, sich zu wehren, konnte nicht aus­agiert werden. Er wurde mit aller Macht un­ter­drückt. Dadurch blieb diese Energie in unserem Ner­ven­sys­tem er­hal­ten, wurde so­zu­sa­gen ge­spei­chert und bricht heute im Er­wach­se­nen­al­ter oft un­ge­fil­tert aus.

Julia Link
Julia Link

Julia Link ist Anfang 30 und stolze Mama eines Mäd­chens und eines Jungen. Die staat­lich an­er­kann­te Er­zie­he­rin hat eine ein­jäh­ri­ge Wei­ter­bil­dung zur bin­dungs- und be­zie­hungs­ori­en­tier­ten Eltern- und Fa­mi­li­en­be­ra­te­rin ab­sol­viert. In Ihrer Kolumne BE­ZIE­HUNGs­WEI­SE - BE­ZIE­HUNG auf wert­schät­zen­de WEISE berät Julia Link Fa­mi­li­en zu den Themen El­tern-Kind & Kind-Kind-Be­zie­hung.

Ihr habt Fragen? Julia Link hilft Euch gerne. Schickt uns eine Mail an info@​ep­pin­gen.​org mit dem Betreff Be­zie­hungs­wei­se und lest Julias Antwort in einer der nächs­ten Aus­ga­ben ihrer Kolumne.

Wir freuen uns über Eure Ein­sen­dun­gen!

 

Ein wei­te­rer Aspekt könnte auch sein, dass Eltern selbst als Kind nicht wütend sein durften. Ihre Gefühle hatten keine Be­deu­tung. Sie wurden nie gefragt, was sie fühlen oder denken. Viel­leicht wurde ihnen sogar auf­er­legt, ihre eigenen, ver­meint­lich ne­ga­ti­ven, Gefühle zu un­ter­drü­cken. Somit haben sie nie gelernt, klar und deut­lich zu kom­mu­ni­zie­ren, was sie brau­chen, wün­schen, denken und fühlen. Sie haben Stra­te­gi­en ent­wi­ckelt, diese Gefühle zu ver­mei­den. Dies lässt sich im Alltag mit Kindern jedoch nur schwer auf­recht­erhal­ten. Denn mit Wut werden wir im Umgang mit unseren Kindern nun mal zwangs­läu­fig kon­fron­tiert. Also wird bei einem Wut­an­fall unserer Kinder, unsere eigene „ein­ge­fro­re­ne“ Wut re­ak­ti­viert und kommt häufig un­ver­hält­nis­mä­ßig stark zum Aus­bruch. Es kommt zu einer Art Ket­ten­re­ak­ti­on, die sich auf Ag­gres­si­ons­ver­schie­bung zu­rück­füh­ren lässt. Ag­gres­si­ons­ver­schie­bung be­deu­tet, dass Ag­gres­si­on nicht in diesem Moment, in der sie aus­ge­löst wird, aus­agiert wird, sondern erst zu einem spä­te­ren Zeit­punkt wieder her­vor­tritt.

Angst und Sorge:

Nehmen wir, um die The­ma­tik prä­zi­ser be­schau­en zu können, einmal das Bei­spiel des kleinen Kindes auf dem Spiel­platz, welches seinem Spiel­ka­me­ra­den mit der Schippe auf den Kopf schlägt. Die Mutter rennt und schimpft mit ihm „Du kannst doch nicht einfach hauen, das macht man nicht!“, schnappt sich das Kind und setzt es auf die Bank: „Hier bleibst du jetzt und über­legst mal, was du da gemacht hast und ob das in Ordnung war!“ 

Was ist hier pas­siert? Aus welchem Gefühl heraus handelt die Mutter so?

Hier gibt es ver­schie­de­ne Aspekte zu be­rück­sich­ti­gen, einer davon sind falsche Kau­sal­ket­ten:

Symbolbild / pixabay.com #15832389; rein shoondorp
Symbolbild / pixabay.com #15832389; rein shoondorp
 

Viele Eltern und auch Nicht–Eltern haben beim Anblick eines schla­gen­den Kindes sofort und un­auf­halt­sam die Vor­stel­lung, dass diese Ver­hal­tens­wei­se des Kindes un­wei­ger­lich zum ver­hal­tens­auf­fäl­li­gen und straf­fäl­li­gen Ju­gend­li­chen führt. Sie re­agie­ren deshalb aus Angst dann oft hilflos und über­tre­ten die Grenzen der Kinder. Dies ist in der heu­ti­gen Zeit jedoch auch wenig ver­wun­der­lich. Wird diese Angst doch förm­lich von sämt­li­chen Seiten ge­schürt! Sei es durch Medien mit den angst­ein­flö­ßen­den Head­lines „Ty­ran­nen­kin­der“ oder durch ver­meint­lich gut ge­mein­te Rat­schlä­ge grenz­über­schrei­ten­der Ver­wand­ten und Be­kann­ten. Selbst Fremde im Su­per­markt meinen, ihr Wort dazu geben zu müssen. Das Er­geb­nis sind ver­un­si­cher­te, ver­ängs­tig­te Eltern, die gänz­lich ver­lernt haben, auf ihr Na­tür­lichs­tes zu hören: ihr BAUCH­GE­FÜHL! So greifen sie zu den her­kömm­li­chen Maß­nah­men und über­schrei­ten damit die Grenzen der Kinder indem sie sie klein­ma­chen und de­mü­ti­gen. Kurios nicht? Wir wollen den kleinen Kindern Respekt vor anderen bei­brin­gen, indem wir ihnen ge­gen­über re­spekt­los sind. Sehr paradox, wenn Ihr mich fragt!

Ein wei­te­rer und auch nicht un­we­sent­li­cher Aspekt sind eigene frühe Er­fah­run­gen:

Im Bereich des emo­tio­na­len Gehirns ver­knüp­fen sich während des Auf­wach­sens prä­gnan­te Si­tua­tio­nen mit be­stimm­ten Ge­füh­len. Mit diesen Mo­men­ten können wir zum Bei­spiel auch be­stimm­te be­wer­ten­de „Er­zie­hungs­sät­ze“ ver­bin­den, die sich in unser Denken und Handeln ein­ge­brannt haben, wie z.B.:

  • „Nie machst du, was man dir sagt!“
  • „Immer musst du Ärger machen!“
  • „Ich habe dir schon tau­send­mal gesagt, dass…!“

Diese Phrasen können über lange Zeit auf uns Ein­fluss haben und in be­stimm­ten Si­tua­tio­nen zum Vor­schein kommen. Unser Gehirn greift in Schreck- oder Stress­si­tua­tio­nen un­be­wusst auf Me­cha­nis­men zurück, die vor Jahren „ein­ge­brannt“ wurden. So zum Bei­spiel auf Sätze, die wir von unseren Eltern gehört haben. Dies führt dazu, dass unsere Kinder sich mit den­sel­ben Vor­wür­fen kon­fron­tiert sehen, wie wir sie schon als Kind gehört haben.

Wie wir fest­stel­len können, sind es bis jetzt alles zu­sam­men­hän­gen­de Muster, die - und das wäre mir wichtig es ab­schlie­ßend noch einmal deut­lich zu er­wäh­nen - UN­BE­WUSST in uns agieren. Welche Aspekte noch dazu führen, dass wir „uns ver­ges­sen“, werden wir das nächste Mal zu­sam­men an­schau­en. Ich freue mich, wenn ihr da­bei­bleibt. Solltet Ihr zu einem Punkt oder grund­sätz­lich diesem oder auch anderen Themen Fragen haben, so lade ich Euch ein, mich zu kon­tak­tie­ren oder Eure Fragen anonym über EP­PIN­GEN.org zu stellen. Ich freue mich darauf und wünsche Euch bis dahin eine wun­der­vol­le Zeit mit warmen und em­pa­thi­schen Ver­bin­dun­gen zu Euch und Euren Liebs­ten.

Eure Julia ♥

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