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Kultur & Freizeit

Veröffentlicht am 22.05.2019, Gemmingen

Neue Erkenntnisse von Gemmingens Ortsgeschichte im Jubiläumsjahr

Ortsführung

von EPPINGEN.org Redaktion

Foto: Josef Semek
Foto: Josef Semek

„Gem­min­gens ver­ges­se­ne Kle­ri­ker­häu­ser“ war Thema der Orts­füh­rung von Pfarrer Manfred Tscha­cher im Rahmen des Orts­ju­bi­lä­ums 1250 Jahre Gem­min­gen. 

Trotz Regen waren einige Teil­neh­mer ge­kom­men und wurden durch in­ter­es­san­te neue Er­kennt­nis­se von der Gem­min­ger Orts- und Kir­chen­ge­schich­te belohnt. Aus­gangs­punkt der Führung war der Bereich um die evan­ge­li­sche Kirche. Von der mit­tel­al­ter­li­chen Kirche ist noch der Un­ter­teil des Kirch­tur­mes von 1515 / 1516 er­hal­ten. Die Herren von Gem­min­gen hatten die Pfarr­kir­che als Ihre Be­gräb­nis­kir­che mit der Er­rich­tung von sechs Ka­plan­ei­stel­len neben der Pfarr­stel­le wie eine Stifts­kir­che für ihr To­ten­ge­den­ken aus­ge­baut. Dar­un­ter war auch die 1512 von Plei­kard von Gem­min­gen ge­stif­te­te Pre­di­ger­stel­le, die 1513 mit Bern­hard Grieb­ler, dem spä­te­ren Re­for­ma­tor von Gem­min­gen besetzt wurde. Nach den Quellen, so Tscha­cher, dürfte schon davor durch Plei­kard, der 1515 starb, eine der Ka­plan­ei­stel­len mit einer Latein- bzw. Chor­schu­le ergänzt worden sein. Die Ge­mein­schaft der Geist­li­chen wurde auf­grund ihrer ge­mein­sa­men An­we­sen­heit bei den Got­tes­diens­ten „Präsenz“, genannt und führte eine eigene Stif­tungs­kas­se, aus der die An­we­sen­heits­gel­der bezahlt wurden. 1514 hatte Plei­kard neue bi­schöf­lich ge­neh­mig­te Sat­zun­gen für die Präsenz ein­ge­führt und sie mit einer reichen Stif­tung bedacht. Die Prä­senz­kas­se bestand bis ins 19. Jahr­hun­dert und verlieh Dar­le­hen an Bürger und auch an Städte wie etwa Ess­lin­gen. Seinen mit­tel­al­ter­li­chen Stand­ort bewahrt hat das Pfarr­haus.

Die Teil­neh­mer konnten den Pfarr­kel­ler be­sich­ti­gen, der nach Tscha­cher auf­grund der Pro­to­kol­le des Speyrer Dom­ka­pi­tels mit dem da­ma­li­gen Pfarr­haus 1519 er­rich­tet wurde. Um 1750 wurde das heutige Gebäude über dem Keller gebaut. 1603 standen neben dem Pfarr­haus das Mes­ner­haus und die Schule, die si­cher­lich vor der Re­for­ma­ti­on Ka­plan­ei­häu­ser waren. Um 1600 dürfte auch aus der La­tein­schu­le eine Volks­schu­le ge­wor­den sein. „Denn die Lehrer wurden nicht von dem Dorf­schul­leh­rer von Richen un­ter­schie­den“, hat Tscha­cher bei seinen For­schun­gen in Richen her­aus­ge­fun­den. Nach einem Gü­ter­ver­zeich­nis von 1750 befand sich die Schule, so Tscha­cher, in der da­ma­li­gen Kirch­gas­se auf dem Nach­bar­grund­stück rechts vom Pfarr­haus und wurde kurz vor 1750 in das so­ge­nann­te „Prä­senz­haus“ verlegt. Das Prä­senz­haus war das Haus des Pre­di­gers und lag nach der Stif­tungs­ur­kun­de von 1512 ge­gen­über dem Pfarr­haus neben der Kirch­hof­mau­er. Heute steht an dieser Stelle das alte Schul­haus von 1882, das einen Kin­der­gar­ten und die Bü­che­rei be­her­bergt. Das Gebäude im Ha­sen­berg­weg, das bisher als das La­tein­schul­haus galt, deutete Tscha­cher als herr­schaft­li­ches Band­haus. Beim He­xen­pro­zess 1563 wird ein herr­schaft­li­ches Band­haus neben der Schule erwähnt. Dieses Gebäude ist sehr wahr­schein­lich iden­tisch mit dem herr­schaft­li­chen Keller mit Band­haus und Frucht­spei­cher, das 1710 die Grafen von Neip­perg in der Kirch­gas­se er­war­ben. Der 1969 noch er­hal­te­ne Por­tal­bau konnte von Tscha­cher über­zeu­gend als Kel­ler­hals eines herr­schaft­li­chen Ge­bäu­des iden­ti­fi­ziert werden. Die Lage von Kirche, Pfarr­haus und Band­haus weist, so Tscha­cher, darauf hin, dass in diesem Bereich auch der mit­tel­al­ter­li­che Her­ren­hof des Ortes ge­stan­den haben muss, zu dem diese Gebäude ur­sprüng­lich einmal ge­hör­ten. 

Wahr­schein­lich, so Tscha­cher, befand sich der Her­ren­hof auf einem Gelände hinter dem Pfarr­haus am so­ge­nann­ten „Ste­fans­berg“, das im 18. Jahr­hun­dert noch der Orts­herr­schaft von Gem­min­gen gehörte. Be­kräf­ti­gen konnte Tscha­cher diese Theorie durch einen auf­wen­dig ge­stal­te­ten Keller mit go­ti­schem Tür­ge­wän­de bei einer neu­zeit­li­chen Scheune auf dem Ste­fans­berg, in den die Teil­neh­mer der Führung hin­ein­schau­en konnten. Das his­to­ri­sche Rentamt mit Mai­er­hof in der Stet­tener Straße dürfte sich aus diesem Her­ren­hof ent­wi­ckelt haben. In der Ep­pin­ger Straße, die früher „das Dorf“ genannt wurde, konnte Tscha­cher anhand einer Zeich­nung von 1539 belegen, dass heute ober­halb des his­to­ri­schen Rat­hau­ses an der glei­chen Stelle die Nach­fol­ge­bau­ten der Früh­mess­ka­planei stehen. Das Wohn­ge­bäu­de war 1523 er­rich­tet worden und sein Spei­cher diente als Frucht­spei­cher der Präsenz. Bis 1535 war es von einem ka­tho­li­schen Geist­li­chen bewohnt. Im Garten dürfte der Keller mit darüber lie­gen­dem Band­haus der Präsenz ge­stan­den haben, der „Pfaf­fen­bau“ hieß. Das heutige Ne­ben­ge­bäu­de zeigt auf der Rück­sei­te noch sehr altes Mau­er­werk. Hinter dem Pfaf­fen­bau be­fan­den sich im heu­ti­gen „Pfaf­fen­hof“ die Gebäude der St. Jo­han­ne­s­ka­planei. Hier sind keine alten Gebäude mehr er­hal­ten. Jedoch dürfte der in der Stif­tungs­ur­kun­de von 1385 ge­nann­te „Kret­brun­nen“ iden­tisch sein mit der beim Stra­ßen­bau ge­fass­ten Quelle, auf die der heutige Be­woh­ner des Pfaf­fen­ho­fes Norbert Handlos auf­merk­sam machte. 

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