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Veröffentlicht am 16.04.2019, Eppingen

Warum Strafen, Konsequenzen und Lob bzw. Belohnungen unseren Kindern schaden!

Bindungs- und beziehungsorientierter Umgang mit Kindern

von Julia Link

Symbolfoto: pixabay.com #537104; Pezibear
Symbolfoto: pixabay.com #537104; Pezibear

Liebe Eltern und Interessierte,

ich bin mir ziemlich sicher, dass mein März-Artikel viele Fragen hinterlassen hat. Manche von Euch konnten mir bestimmt in Bezug auf das Thema Strafen und Konsequenzen zustimmen, andere stehen dem sicher immer noch skeptisch entgegen, beides ist vollkommen in Ordnung und kann ich wirklich gut nachvollziehen. Bestimmt geistert in einigen Köpfen auch die Überlegung „Ja okay, richtige Strafen sind vielleicht auch wirklich hart, aber Konsequenzen sind doch einigermaßen annehmbar oder man könnte umgekehrt das Kind ja auch immer Loben oder Belohnen, wenn es etwas toll gemacht hat, dann lernt es auf „sanfte“Art, was richtig und falsch ist und kommt dabei nicht zu Schaden.“

Gehen wir dem Ganzen doch mal ein wenig auf den Grund: Wenn man genauer hinschaut, kann man erkennen, dass die Mechanismen prinzipiell die gleichen sind, egal ob wir sie Strafe, Konsequenz oder Lob bzw. Belohnung nennen. Sie bewirken nämlich alle dasselbe: Sie manipulieren und konditionieren unser Kind und biegen es so zurecht, wie wir es gerne hätten. Konsequenzen wie auch Belohnungen sind nichts anderes als versteckte Strafen.  

Sie sind, wenn man es so nennen möchte, der kleine Bruder und die kleine Schwester der Strafe und wirken auf die gleiche Art und Weise, mit dem einzigen Unterschied, dass wir Erwachsenen ein besseres Gewissen bei deren Anwendung haben (warum auch immer). Viele reden die Anwendung von Konsequenzen schön, indem sie diese „liebevolle“ oder „logische“ Konsequenz nennen und sich damit einreden, diese sei eine natürliche Folge des kindlichen Handelns. Dies ist jedoch schlichtweg gesagt Unsinn. Eine natürliche Folge ist z.B. schlicht das Frieren eines Kindes, wenn es ohne Jacke rausgeht, obwohl es von den Eltern vor der Kälte gewarnt wurde. Verhängen die Eltern jedoch ein „Raus-geh-Verbot“, so ist das eine Konsequenz, diese wurde schlichtweg von den Eltern herbeigeführt und ist und bleibt somit eine Strafe. Konsequenzen stellen unseren Wert als Menschen infrage, Frieren jedoch ist unangenehm, das ist klar, es wertet unsere Kinder aber nicht ab. Ein frierendes Kind z.B. braucht einfach nur Wärme und liebevolle Begleitung, keine Bestrafung.

Jetzt sitzen bestimmt viele von Euch da und denken „Ja Konsequenzen okay, aber Lob und Belohnungen? Da tu ich meinem Kind doch etwas Gutes und es freut sich!“. Das mag oberflächlich gesehen wohl der Fall sein, betrachten wir den Vorgang des Lobens und Belohnens jedoch mal anders herum, so stellen wir fest: Das Kind freut sich sicher darüber und bemüht sich auch ein nächstes Mal dies wieder zu erreichen, bleiben jedoch (aus welchem Grund auch immer) Lob bzw. Belohnung aus, so hat dies denselben Effekt, wie eine Strafe.

Belohnungen sind aus entwicklungspsychologischer Sicht nicht sinnvoll, denn:

  • Sie sind ein Misstrauensantrag an das Kind mit der Botschaft: Du kannst es nicht ohne! Ich traue dir das nicht zu!
  • Halten das Kind unselbstständig – Botschaft: Nur durch Einwirkung von außen erreichst du etwas!
  • Sind Motivation von außen – Botschaft: Du hast selbst keinen Antrieb etwas zu erreichen!

Wenn wir unsere Kinder loben und belohnen, gerät der eigene innere Entwicklungsmotor ins Stocken und es entsteht eine äußerst fragwürdige und ungesunde emotionale Abhängigkeit. Das Kind wird daran gehindert selbstständig zu werden und eigene Verantwortung für sein Handeln zu übernehmen. Wenn wir z.B. ein Kind dafür belohnen, dass es im Haushalt mithilft, so vermitteln wir ihm die Botschaft, dass es nicht selbstverständlich ist, dass wir uns in der Familie gegenseitig helfen. Wir zerstören mit Loben und Belohnen die intrinsische Motivation unserer Kinder. Alle Kinder haben diese von Anbeginn ihres Lebens in sich. Sie lernen Fahrrad fahren oder sich selbst anziehen oder trocken zu werden nicht für uns, sondern weil sie es aus sich heraus wollen. Jedes Kind wird bestimmte Entwicklungsschritte vollziehen, wenn es dafür bereit ist, denn Kinder streben grundsätzlich nach Verantwortung und Selbstständigkeit. Wir sollten dieses eigene innere Bedürfnis unserer Kinder nicht durch Belohnung des von uns gewünschten Verhaltens oder durch elterliche Bestechung ersticken. Eine weitere unschöne Folge von Lob bzw. Belohnung kann außerdem sein, dass unsere Kinder die Vorstellung entwickeln, sie müssen nichts tun, wenn es keine Belohnung dafür gibt. Abgesehen davon, dass diese Einstellung uns Eltern das Leben schwer macht, so ist es hauptsächlich für die Kinder fatal. Der Wert des Kindes und die Persönlichkeit geraten in den Hintergrund, dies beeinträchtigt die Eigenständigkeit und die Selbstmotivation und was noch viel tragischer ist, das Selbstvertrauen und das so wahnsinnig wichtige Selbstwertgefühl können sich nicht mehr gesund entwickeln.

Fassen wir also zusammen: Strafen, Konsequenzen (egal wie liebevoll man sie umschreibt) und auch Lob und Belohnungen haben dieselbe Wirkung: Dem Kind wird signalisiert „Du bist nicht okay, so wie du bist. Du bist es nichts wert.“

Ein mancher mag jetzt vielleicht denken „Alles gut und schön, aber Strafen funktionieren nun mal, warum sollte ich es dann sein lassen?“ Ja, das streite ich überhaupt nicht ab: Strafen funktionieren tatsächlich! KURZZEITIG! Die essenziell wichtige Frage, die sich mir dabei stellt, ist eher: Warum funktionieren sie? Und was machen sie mit meinem Kind? Dies ist relativ einfach zu beantworten: Die Abwertung in Form von Strafe „funktioniert“ deshalb, weil unsere Kinder abhängig von uns sind, vor allem in emotionaler Hinsicht. Wir können diese Erziehungslüge „Wenn ich dir wehtue, dann doch nur zu deinem Besten und nur, weil ich dich liebe“ ohne weitere Schwierigkeiten aufrechterhalten. Unsere Kinder lernen so, dass Liebe und Abwertung miteinander vereinbar sind, ja quasi zusammengehören. Da unsere Kinder irgendwann in Folge der Demütigung einen Teil ihres Gefühlszentrums im Gehirn sprichwörtlich abschalten, registrieren sie diese nicht mehr als Schmerz. Dies hat jedoch zur Folge, dass sie keine Gefühle mehr entwickeln können, weder gegenüber sich selbst noch gegenüber anderen. Sie haben Schwierigkeiten, Empathie zu entwickeln und einfühlsam mit sich und anderen umzugehen und verlieren die Fähigkeit, Konflikte gemeinsam konstruktiv zu lösen. Außerdem wird ihr Urvertrauen beschädigt, denn elterliche Stärke wird von ihnen nicht mehr als Geborgenheit und Schutz, sondern als Angriff und Bedrohung erlebt. 

Strafen und Konsequenzen zu verhängen bedeutet:

  • Elterliche Macht zu demonstrieren und zu missbrauchen,
  • Demütigung für das Kind – es wird eingeschüchtert,
  • Eine konstruktive Auseinandersetzung zu verhindern, der eigentliche Konflikt bleibt ungelöst,
  • Dem Kind Angst zu machen

Klar wird mein Kind, dem ich soeben gesagt habe, dass es nichts Süßes bekommt, seinen Aufstand in dem Moment beenden, wenn ich ihm androhe, dann nachher keine Geschichte vorgelesen zu bekommen! Doch stelle ich mir gerne die Frage. „Was sind meine langfristigen Ziele für mein Kind? Welche Worte oder welcher Ausdruck kommt Euch in den Sinn, wenn ihr darüber nachdenkt, wie Ihr Euch Eure Kinder wünschen würdet, wenn sie erwachsen sind? Aus Unterhaltungen mit Klienten oder privat mit anderen Eltern resultierten Worte wie: glücklich, ausgeglichen, selbstständig, ausgefüllt, produktiv, selbstbewusst, seelisch gesund, freundlich, rücksichtsvoll, verantwortungsbewusst, liebevoll, wissbegierig und zuversichtlich. Und die Liste könnte wahrscheinlich noch ewig weiter ergänzt werden. Viele von Euch werden nun kopfnickend zustimmen und mindestens genauso viele werden fragen, wozu es nützlich sein soll, eine ewig lange Liste von Adjektiven vor Augen zu haben? Nun, es gibt uns die Möglichkeit zu überprüfen, ob das was wir tun, mit dem im Einklang steht, was wir wirklich wollen. Sind meine alltäglichen Erziehungsmethoden wirklich zielführend im Hinblick darauf, mein Kind auf dem Weg zu dem Erwachsenen zu begleiten, den ich mir später wünschen würde? Oder ist es denkbar, dass das was ich zu meinem Kind sage oder mit meinem Kind mache zum genauen Gegenteil führt? Möchte ich das wirklich? Oder um es mit den Worten der Autorin und Wissenschaftsjournalistin Nicola Schmidt zu sagen: 

„Es ist leichter gesunde Kinder großzuziehen, als kaputte Erwachsene zu reparieren!“

Ihr fragt Euch nun, wie Ihr dann in schwierigen Situationen mit Euren Kindern umgehen könnt? Gerne beantworte ich dies ganz konkret und individuell, schreibt mir einfach Eure Fragen. Ich freue mich darauf. Bis dahin wünsche ich Euch eine wundervolle Zeit voller Vertrauen in Euch und Eure Kinder und liebevollen Verbindungen zu Euch und Euren Liebsten. 

Eure Julia ♥.

Julia Link ist Anfang 30 und stolze Mama eines Mäd­chens und eines Jungen. Die staat­lich an­er­kann­te Er­zie­he­rin hat eine ein­jäh­ri­ge Wei­ter­bil­dung zur bin­dungs- und be­zie­hungs­ori­en­tier­ten Eltern- und Fa­mi­li­en­be­ra­te­rin ab­sol­viert. In Ihrer Kolumne BE­ZIE­HUNGs­WEI­SE - BE­ZIE­HUNG auf wert­schät­zen­de WEISE berät Julia Link Fa­mi­li­en zu den Themen El­tern-Kind & Kind-Kind-Be­zie­hung.

Ihr habt Fragen? Julia Link hilft Euch gerne. Schickt uns eine Mail an info@​ep­pin­gen.​org mit dem Betreff Be­zie­hungs­wei­se und lest Julias Antwort in einer der nächs­ten Aus­ga­ben ihrer Kolumne.

Wir freuen uns über Eure Ein­sen­dun­gen!

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