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Veröffentlicht am 18.03.2019, Eppingen

Angst vor „Tyrannen“ – ist diese begründet?

Bindungs- und beziehungsorientierter Umgang mit Kindern

von Julia Link

Symbolbild / pixabay.com #3729820; Mabel Amber
Symbolbild / pixabay.com #3729820; Mabel Amber

„Was?! Ihr lasst Euer Kind (immer noch) in Eurem Bett schla­fen? – Das bekommt Ihr doch nie mehr raus!“

„Du soll­test es nicht immerzu tragen, nur, weil es das ver­langt! – Damit ver­wöhnst Du es und eines Tages wird es Dir auf der Nase her­um­tan­zen.“

„Wie? Du stillst immer noch? – So kommt es ja nie von Dir weg!“

„Du bleibst immer bei Deinem Kind, bis es schläft? – Na da hat es Dich ja schon ganz schön im Griff!“

„Keine Strafen? – Kein Wunder haben wir immer mehr Ty­ran­nen her­um­lau­fen, woher sollen sie denn wissen was sich gehört, wenn die Eltern nicht fähig sind, sie zu­recht­zu­wei­sen?!“

Ja, prin­zi­pi­ell könnte ich den kom­plet­ten Artikel nur mit solchen ver­al­te­ten Glau­bens­sät­zen füllen, denn diese und viele mehr dürfen sich Eltern und auch Nicht-El­tern re­gel­mä­ßig zu Gemüte führen, ob sie nun wollen oder nicht. Immer wieder fühlen sie sich ge­zwun­gen, zu recht­fer­ti­gen, was sie tun oder auch nicht tun. Und ich frage mich re­gel­mä­ßig, mit welcher Be­grün­dung diese Be­fürch­tun­gen be­stehen, sind sich doch die Hirn­for­schung, Bin­dungs­for­schung und Ent­wick­lungs­psy­cho­lo­gie in ihren Er­geb­nis­sen einig über das, was unsere Kinder brau­chen, um gesund auf­zu­wach­sen und über das, was ihnen schadet. Soll es nach der Meinung vieler Men­schen tat­säch­lich möglich sein, dass sich sämt­li­che Ex­per­ten irren und unser Planet ir­gend­wann nur noch so wimmelt vor Ty­ran­nen? NEIN, das sicher nicht und doch ist da diese un­bän­di­ge Angst und Sorge, dass unsere Ge­sell­schaft sozial ver­kommt und tat­säch­lich würde sie das viel­leicht auch ir­gend­wann, wenn alle so denken würden und sich nur von ihrer Angst leiten lassen würden, was die „Er­zie­hung“ von Kindern be­trifft. 

Dieses Wort allein spie­gelt ja bereits die all­ge­mein­gül­ti­ge Haltung unseren Kindern ge­gen­über: Er­ZIE­HUNG – Müssen wir unsere Kinder wirk­lich ZIEHEN, so formen, wie wir sie haben wollen? Viele sind sich in diesem Punkt leider einig: Ja, denn sie müssen schlie­ß­lich der Ge­sell­schaft an­ge­passt werden, den gän­gi­gen Normen und Werten, jemand muss ihnen ja Moral und Anstand bei­brin­gen und das geht auch nun einmal nur mit Strafen und Kon­se­quen­zen, sie müssen doch schluss­end­lich lernen, Respekt vor anderen, ins­be­son­de­re vor Er­wach­se­nen, zu haben. So die Meinung im Bereich der her­kömm­li­chen „Er­zie­hung“. 

Respekt oder Angst?

Na­tür­lich möchten wir alle, dass unsere Kinder sich in dieser Welt zu­recht­fin­den, freund­lich, höflich und re­spekt­voll mit anderen umgehen. Doch, was heißt es Respekt vor anderen zu haben? Ist Respekt tat­säch­lich mit Angst gleich zu setzen? Denn nichts anderes pas­siert mit unseren Kindern, wenn wir ihnen mit Strafen und Co. unter Druck und Zwang „Respekt“ bei­brin­gen wollen. Sie haben Angst vor uns!!! Für mich ist das ganz und gar nicht das­sel­be. Respekt vor anderen zu haben, be­deu­tet nichts anderes als sich dessen bewusst zu sein, dass jedes Wesen Be­dürf­nis­se, Gefühle und Grenzen hat, die vom anderen ak­zep­tiert, re­spek­tiert, ge­ach­tet und gewahrt werden sollten, damit es ihm gut geht und es sich wert­ge­schätzt fühlt. Darüber sollten wir uns bewusst sein. 

Wollen wir unseren Kindern tat­säch­lich Respekt bei­brin­gen, indem wir über ihre Be­dürf­nis­se und Grenzen drüber hin­weg­fe­gen wie ein Hur­ri­kan? Das klingt nicht nur un­lo­gisch, es ist es auch!!! Denken wir doch nur einmal an uns selbst: Können wir re­spekt­voll mit je­man­dem umgehen, der uns re­spekt­los be­geg­net? Es ist doch das Na­tür­lichs­te der Welt, dass wir in „Kampf­stel­lung“ gehen, wenn wir uns bedroht oder schlecht be­han­delt fühlen. Nicht anders ist dies auch oder sogar ganz be­son­ders bei Kindern. Sie sind unser Spiegel in allem, was wir tun und sagen! Wir sind ihre Helden und somit ihre großen Vor­bil­der, was wir tun, wollen auch sie tun, was wir sagen, sagen auch sie und zu­sam­men­ge­fasst: Was wir leben, leben auch sie!

Im Grunde ist es ganz einfach:

Wir brau­chen uns nicht als die „Form­ge­ber“ und „Zu­recht­rü­cker“ sehen, sondern dürfen uns viel­mehr als „Gärtner“ sehen, der dem kleinen, zarten „Pflänz­chen Kind“ gibt, was es zum Wachsen braucht. Das un­be­ding­te Er­fül­len der Grund­be­dürf­nis­se unserer Kinder ist hier die Basis jeg­li­chen ge­sun­den Wach­sens. 

Dabei wird zwi­schen kör­per­li­chen und emo­tio­nal-see­li­schen Grund­be­dürf­nis­sen un­ter­schie­den, welche al­le­samt zu einem Min­dest­maß erfüllt sein sollten.

Zu den Kör­per­li­chen zählen zum Bei­spiel Essen, Trinken und Schla­fen. Die ver­schie­de­nen emo­tio­na­len Grund­be­dürf­nis­se liegen unseren Ge­füh­len zu­grun­de. Als Er­wach­se­ne sind wir selbst ver­ant­wort­lich dafür, unsere Grund­be­dürf­nis­se zu stillen. Kinder können das noch nicht selbst. Wir dürfen es als unsere Aufgabe ansehen, immer wieder nach­zu­spü­ren, welche emo­tio­na­len Grund­be­dürf­nis­se hinter einem Ver­hal­ten liegen, welches unser Kind zeigt. Und dann ist es an uns, diese zu ver­ste­hen und ent­spre­chend darauf zu re­agie­ren. 

Die wich­tigs­ten emo­tio­na­len Grund­be­dürf­nis­se sind:

  • Au­to­no­mie / Selbst­wirk­sam­keit / Un­ab­hän­gig­keit
  • Ver­bun­den­heit und Zu­ge­hö­rig­keit
  • Si­cher­heit und Schutz
  • Ge­bor­gen­heit und Nähe
  • An­er­ken­nung und das Gefühl, wert­voll für andere zu sein
  • Das Gefühl, an­ge­nom­men zu sein, so wie man ist
  • Ruhe, Er­ho­lung und Rückzug
  • Wert­schät­zung und Ver­ständ­nis
  • gesehen und be­ach­tet zu werden (auch mit seinen An­lie­gen und Be­dürf­nis­sen)
 

Wissen wir Eltern von diesen Grund­be­dürf­nis­sen, können wir die Ver­ant­wor­tung für deren Er­fül­lung über­neh­men und somit dem Kind die exis­ten­zi­el­le Bot­schaft über­mit­teln: 

Du bist okay, so wie Du bist.

Wir Eltern dürfen unsere Kinder genau SO an­neh­men, wie sie sind und sie in ihrer in­di­vi­du­el­len Ent­wick­lung un­ter­stüt­zen und be­glei­ten. Gelingt uns ein derart wert­schät­zen­der Umgang mit ihnen, so brau­chen wir auch keine Angst vor „Ty­ran­nen­kin­dern“ zu haben, denn wir werden Kinder haben, die ihre emo­tio­na­len Grund­be­dürf­nis­se und ihre Emo­tio­nen kennen und sich daher gut selbst re­gu­lie­ren und für sich sorgen können – sei es phy­sisch oder psy­chisch. Erleben Kinder jedoch einen stra­fen­den und sank­tio­nie­ren­den Umgang, so werden sie diesen ver­in­ner­li­chen und wei­ter­ge­ben. Ver­let­zun­gen, egal ob phy­sisch oder psy­chisch, werden sie kom­pen­sie­ren, indem sie anderen das­sel­be zufügen oder sich auf­leh­nen. Wie wir wissen erzeugt Druck Ge­gen­druck, oder wie es auch so schön heißt: „Wie Du mir, so ich Dir!“.Durch Un­ter­drü­ckung werden Ärger, Wut und eben sogar der Wunsch nach „Rache“ pro­du­ziert. Oft ent­la­den sich der­ar­ti­ge Gefühle dann ge­gen­über Ge­schwis­tern und anderen Kindern oder stauen sich auf und treten erst im Er­wach­se­nen­al­ter zutage in Form von Sym­pto­men, die zu De­pres­sio­nen, Angst­stö­run­gen, Burn-out und Be­zie­hungs­stö­run­gen führen können, sollten sie nicht be­ach­tet werden. Möchte man dies ver­hin­dern, so ist es un­end­lich wichtig, sich dessen bewusst zu sein, dass kind­li­che Re­ak­tio­nen IMMER ein wert­vol­les Signal sind, welches uns sagen möchte: „Hey, etwas stimmt nicht mit mir, etwas ist in Schief­la­ge geraten. Bitte hilf mir! Ich brauche Dich!“. Ziel soll dabei nicht sein, jeg­li­chen Ärger und Unmut vom Kind fern­zu­hal­ten, sondern es damit nicht alleine zu lassen und es dabei zu un­ter­stüt­zen und zu be­glei­ten, einen Weg zu finden, damit um­zu­ge­hen. 

So be­glei­tet wird unser Kind phy­sisch und psy­chisch maximal gut auf­wach­sen und weder im Hier und Jetzt noch in der Zukunft zu einem Ty­ran­nen werden – warum denn auch?!

Herz­lich,
Eure Julia ♥

Julia Link ist Anfang 30 und stolze Mama eines Mäd­chens und eines Jungen. Die staat­lich an­er­kann­te Er­zie­he­rin hat eine ein­jäh­ri­ge Wei­ter­bil­dung zur bin­dungs- und be­zie­hungs­ori­en­tier­ten Eltern- und Fa­mi­li­en­be­ra­te­rin ab­sol­viert. In Ihrer Kolumne BE­ZIE­HUNGs­WEI­SE - BE­ZIE­HUNG auf wert­schät­zen­de WEISE berät Julia Link Fa­mi­li­en zu den Themen El­tern-Kind & Kind-Kind-Be­zie­hung.

Ihr habt Fragen? Julia Link hilft Euch gerne. Schickt uns eine Mail an info@​ep­pin­gen.​org mit dem Betreff Be­zie­hungs­wei­se und lest Julias Antwort in einer der nächs­ten Aus­ga­ben ihrer Kolumne.

Wir freuen uns über Eure Ein­sen­dun­gen!

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