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Kultur & Freizeit

Veröffentlicht am 19.03.2019, Eppingen

Von Eppingen ins große Kino

Regisseur Felix Hassenfratz im Interview Teil 1

von EPPINGEN.org Redaktion

Felix Hassenfratz Porträt: ©W-film / Klaus Wohlmann; Team: ©Jürgen Häffner
Felix Hassenfratz Porträt: ©W-film / Klaus Wohlmann; Team: ©Jürgen Häffner

Re­gis­seur Felix Has­sen­fratz wuchs im Kraich­gau auf. Für EP­PIN­GEN.org drehte er Anfang der 2000er seine ersten Filme. Im Januar star­te­te sein De­büt­film Ver­lo­re­ne deutsch­land­weit im Kino. EP­PIN­GEN.org sprach mit dem Fil­me­ma­cher darüber wie alles begann und die Be­deu­tung von Heimat.

Woher rührte der Wunsch Re­gis­seur werden zu wollen?

Ich habe schon immer gerne Ge­schich­ten erzählt. Meine Freunde und Familie durften sich alles anhören, ob sie wollten oder nicht. Dass ich an­ge­fan­gen habe zu filmen, kam dann tat­säch­lich erst relativ spät. Zum 18. Ge­burts­tag bekam ich eine Vi­deo­ka­me­ra von meinen Eltern ge­schenkt. Davor habe ich mich ei­gent­lich noch gar nicht für Filme in­ter­es­siert, sondern viel mehr gelesen. Kurz­ge­schich­ten und Romane in­ter­es­sier­ten mich damals mehr. Mit der Kamera hat sich das alles ge­än­dert. Ich bin noch am selben Tag los und habe meinen ersten kleinen Film gedreht. Das war wie ein Schlüs­sel­er­leb­nis für mich. Ich habe damit einen Aus­druck ge­fun­den, meine Ge­schich­ten auf eine andere Art zu er­zäh­len. Tat­säch­lich waren die ersten Filme kleine Do­ku­men­tar­fil­me. Ich komme auch stark vom Do­ku­men­ta­ri­schen und mag diesen Aspekt auch nach wie vor sehr. Wenn ich einen Stoff für einen Spiel­film angehe, nähere ich mich dem Thema nach wie vor erst über eine sehr lange Re­cher­che und kleine do­ku­men­ta­ri­sche Videos an. Für mich ist es enorm wichtig, etwas genau und lange zu be­ob­ach­ten. Die Ge­schich­ten, die ent­ste­hen sind zwar fik­tio­nal, könnten aber auch wahr sein. Dadurch wirken sie au­then­tisch.

Re­gis­seur ist dennoch ein relativ exo­ti­scher Be­rufs­wunsch, wie hast Du den Sprung ge­schafft?

Mit der Er­kennt­nis, dass ich mit der Kamera alles er­zäh­len kann, und in das Leben der anderen Leute her­ein­schau­en kann - nicht voy­eu­ris­tisch, sondern mit einer Neugier für das Leben der Men­schen -, war das bewegte Bild das Medium, das mich am meisten in­ter­es­siert hat. Ich ab­sol­vier­te meinen Zi­vil­dienst in Ep­pin­gen in dem mitt­ler­wei­le ge­schlos­se­nen Kran­ken­haus. Wäh­rend­des­sen bewarb ich mich auf Prak­ti­ka, in ver­schie­de­nen Städten und schlie­ß­lich wurde es Köln. Da bekam ich relativ früh­zei­tig eine Zusage von einer Fern­seh­pro­duk­ti­ons­fir­ma, die eher jour­na­lis­tisch ge­ar­bei­tet und Re­por­ta­gen gemacht haben. Als Prak­ti­kant und an­schlie­ßend freier Mit­ar­bei­ter ver­brach­te ich dort drei Jahre und hab wahn­sin­nig viel gelernt. 

Ich stellte aber ir­gend­wann fest, dass für mich der Beruf des TV-Jour­na­lis­ten nicht der Rich­ti­ge für mich wäre. Mir fehlte es, die Ge­schich­te noch mal ein Stück weiter er­zäh­len zu können. Bis in die tiefs­ten Winkel von Figuren rein­schau­en kann man nicht in der jour­na­lis­ti­schen Arbeit, sondern nur im Roman, in Serien oder im Spiel­film. Ich habe dann in Köln an der In­ter­na­tio­na­len Film­schu­le an­ge­fan­gen zu studieren mit dem Schwer­punkt Regie. Während des Studiums habe ich gemerkt, wie wichtig mir auch das Schrei­ben ist. Ich könnte mit Si­cher­heit auch das Dreh­buch eines anderen ver­fil­men, aber bisher waren es immer meine eigenen Stoffe. Ver­mut­lich hat das auch mit meiner Ar­beits­wei­se zu tun, dass ich über die Re­cher­che und das do­ku­men­ta­ri­sche mich dem Stoff nähere. So war es auch bei „Ver­lo­re­ne“.

Der Debütfilm Verlorene von Felix Hassenfratz

Das spannungsgeladene Familiendrama spielt im Kraichgau

 

Für plan IT bzw. EP­PIN­GEN.org hast du auch Videos gedreht, wie war die Zeit für dich?

Das war eine super Zeit. Steffen (Anm. der Red: Steffen Stickel, Ge­schäfts­füh­rer von plan IT) kenn ich jetzt schon wahn­sin­nig lange. Wir haben mit einem kleinen Image­film über die Stadt an­ge­fan­gen, das müsste das Stadt­ju­bi­lä­um gewesen sein. Der war un­ge­fähr 60 bis 70 Minuten lang und man hat ihn Zuhause auf Vi­deo­kas­set­ten über­spielt. Und dann habe ich mit EP­PIN­GEN.org auch Kon­zert­mit­schnit­te und Li­ve-Events gemacht, mit Bild­mi­schung und Auf­zeich­nung. Das waren im Ländle meine ersten Schrit­te bevor ich nach Köln ge­gan­gen bin. Die Er­fah­rung hat mich in dem Wunsch, das Hand­werk zu er­ler­nen, be­stärkt. Ich habe in der Zeit ziem­lich viel gelernt, min­des­tens genauso viel wie an der Film­schu­le, lear­ning by doing so­zu­sa­gen. 

Damals war das Medium gerade auf dem Land noch relativ neu. Das man über Ep­pin­gen einen Film dreht und zwar auf eine relativ pro­fes­sio­nel­le Art, gab es vorher nicht. Da waren wir auch ein Stück weit Pio­nie­re. Das war super. Vor allem, weil ich gemerkt hab, wie offen die Leute sind. Es könnte ja auch das Ge­gen­teil sein, wenn jemand mit seiner Kamera ankommt, dass die Men­schen sich ver­schlie­ßen und nicht reden wollen, aber die Ep­pin­ger waren sehr auf­ge­schlos­sen, hatten alle tolle Ge­schich­ten parat und freuten sich, diese je­man­dem er­zäh­len zu können.

Was be­deu­tet Heimat für Dich?

Ich bin meiner Heimat noch sehr ver­bun­den, ein Teil meiner Familie ist noch im Ländle. Ich komm gerne zurück. Als ich damals weg­ge­gan­gen bin, war ich aber auch froh, in der Stadt zu sein. Ich war in Ep­pin­gen einer der ganz wenigen, die sich für das Thema Film in­ter­es­siert haben und selbst Filme machen wollten. Man wünscht sich da schon manch­mal Ver­bün­de­te. Die fand ich dann in Köln. Daher war der Schritt raus­zu­kom­men für mich un­heim­lich wichtig. Für meinen ersten Film bin ich aber direkt zu­rück­ge­kom­men. 

Er­zäh­le­risch zieht es mich immer wieder in die Heimat. Es gab einen Do­ku­men­tar­film über den Raub­mord in Sie­gels­bach, den Kurz­spiel­film Der Ver­dacht, den wir zum Gro­ß­teil in Ep­pin­gen und Hils­bach gedreht haben, und nun Ver­lo­re­ne, gedreht in einem dreißig Ki­lo­me­ter­um­kreis von Ep­pin­gen. Bei der Rück­kehr habe ich alles wie­der­ge­fun­den. Ich finde es toll in einen Mi­kro­kos­mos ein­zu­tau­chen und fest­zu­stel­len, dass ich dort alle Motive, alle Figuren und alles, was ich er­zäh­len möchte, finde. Man muss gar nicht weit weg, wenn man genau hin­guckt, dann steckt ei­gent­lich jede denk­ba­re Ge­schich­te in der eigenen Heimat. Manch­mal ist sie etwas dunkel manch­mal etwas heller. Aber im Grunde sind sie alle da. Des­we­gen zieht es mich immer wieder mit einem guten Gefühl und lie­be­vol­len Blick auf die Men­schen, aber durch­aus ernsten Themen hier her zurück.

Ver­lo­re­ne be­zeich­nest du selbst als An­ti-Hei­mat­film, Heimat ist also nicht nur rosig …

Das stimmt. Ver­lo­re­ne ist ein relativ düs­te­rer Film, ein span­nungs­ge­la­de­nes Fa­mi­li­en­dra­ma. Viele haben mich auch schon gefragt, ob das mein Blick auf die Heimat ist. Das ist er nicht. Aber ich mag es, dort zu er­zäh­len, wo ich mich aus­ken­ne. Diese Dinge pas­sie­ren überall. Die Welt auf dem Land, in meiner alten Heimat, ist auch nicht so heil, wie sie der eine oder andere gerne hätte, aber sie ist mit Si­cher­heit auch nicht schlech­ter als an­ders­wo. Ich glaube, man bleibt seiner Heimat auf eine gewisse Art und Weise auch ehr­li­cher ver­bun­den, wenn man auch dort solche Ge­schich­ten er­zäh­len kann. Aber es müssen nicht zwangs­läu­fig diese Geschich­ten sein. Was ich do­ku­men­ta­risch hier gedreht habe, war meist relativ heiter und positiv.

In der Itllinger Kirche: Maria Dragus (Maria) / Foto: © W-film / Bernhard Keller
In der Itllinger Kirche: Maria Dragus (Maria) / Foto: © W-film / Bernhard Keller
 

Die Kir­chen­mu­sik spielt in deinem Film eine be­deu­ten­de Rolle, mit Maria hat deine Prot­ago­nis­tin auch einen bi­bli­schen Namen, welche Be­deu­tung haben Musik und Re­li­gi­on in deinem Film?

Die Or­gel­mu­sik bildet im Film kleine Inseln der Frei­heit. Die Kirche ist für unsere Haupt­fi­gur Maria vor allem der Orgel wegen Zu­flucht. Ich habe lange mit einem Kom­po­nis­ten dis­ku­tiert, was die rich­ti­ge Musik ist und wir sind immer mehr über­ein­ge­kom­men, der Film braucht keine zu­sätz­li­che Musik, denn die best­mög­li­che Musik ist schon längst da. Sie erzählt viel über die Figur und den Wunsch nach Frei­heit.
Die Orgel war mir ein per­sön­li­ches An­lie­gen, da ich früher selbst in der evan­ge­li­schen Kirche Ep­pin­gen Orgel ge­spielt habe. Herr Katzer, der da­ma­li­ge Kantor, war mein Kla­vier­leh­rer. Er hat mich - auch weil es damals wenige Nach­wuchs­or­ga­nis­ten gab - zum Orgel spielen ge­bracht. Als Ju­gend­li­cher ver­dien­te ich mir so mein Ta­schen­geld. Ich habe auch in der evan­ge­li­schen Kirche in Itt­lin­gen ge­spielt und kannte daher die Orgel. Für eine Kirche dieser Größe ist es ein wahn­sin­nig tolles Ba­rock­in­stru­ment. Or­gel­mu­sik kommt im Film un­glaub­lich selten vor. Hier passte es einfach gut zu­sam­men. Aber Maria spielt im Film viel besser als ich das je gekonnt hätte. 

Die Re­li­gi­on ist eher etwas, was mit­er­zählt wird. Das stimmt auch mit meiner Er­fah­rung überein. Nicht mehr viele Ju­gend­li­che in­ter­es­sie­ren sich für die Kirche. Das Ge­mein­de­le­ben, die Feste, und Ak­tio­nen ziehen dann aber doch viele an. Hier ist die Kirche viel mehr in der Ge­mein­schaft ver­or­tet als es in der Stadt der Fall ist. Das find ich wichtig.

Wie war es für Dich wieder hier zu drehen?

Wir hätten den Film nicht machen können ohne die große Unterstützung der Leute vor Ort. Wir haben ihnen erzählt, was wir machen wollen, schließlich sollten sie die Geschichte und den Hintergrund kennen. Wir wurden überall mit offenen Armen empfangen, das war eine tolle Erfahrung. Deswegen komm ich auch beim nächsten Projekt gern wieder her. Beim Filme machen sollte man sich nicht abschotten. Mir ist es wichtig die Menschen in der Region miteinzubeziehen. Es gibt so viele Aufgaben und kleine Rollen, das wir für ganz viele Leute Platz haben. Das wurde von der Bevölkerung wahrgenommen, sodass der Film auch ein Gemeinschaftsprojekt der Region wurde.

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