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Veröffentlicht am 20.09.2018, Überregional

Mobbing - Anzeichen, Tipps, Umgang

Wir haben uns mit Lehrern, Jugendarbeitern und der Diakonischen Jugendhilfe zusammengesetzt, um dieses Thema aufzuarbeiten.

von EPPINGEN.org Redaktion

Symbolbild: pixabay #1006102 ©counselling
Symbolbild: pixabay #1006102 ©counselling

Beinahe jeder hat den Begriff bereits gehört und viel­leicht auch schon direkt oder in­di­rekt Er­fah­rung mit der Pro­ble­ma­tik gemacht. Aber was genau ist Mobbing? Ab wann zählt etwas als Mobbing? Um was handelt es sich bei der Spe­zi­al­form Cy­ber­mob­bing? Und vor allem: Wie ver­hal­te ich mich richtig, wenn diese Pro­ble­ma­tik auf­tritt?

Was unterscheidet Mobbing von einem klassischen Konflikt?

Nicht jeder Streit ist gleich Mobbing. Die meisten Dif­fe­ren­zen und un­schö­nen Ak­tio­nen sind nach kurzer Zeit ver­ges­sen und die Be­tei­lig­ten ver­tra­gen sich wieder. Erst bei ge­ziel­ten re­gel­mä­ßi­gen At­ta­cken über eine langen Zeit­raum, bei dem der Täter dem Opfer über­le­gen ist (Macht­ge­fäl­le) und das Opfer ver­sucht wird, sozial zu iso­lie­ren, handelt es sich um Mobbing.

Mobbing

  • ver­deck­te Ak­tio­nen
  • per­ma­nen­ter Macht­miss­brauch
  • kein Wille, den Status Quo zu ändern

Kon­flikt

  • offene Ak­tio­nen
  • be­grenz­ter Macht­miss­brauch
  • Ei­ni­gung wird an­ge­strebt
 

Pro­ble­ma­tik von Mobbing

  • Jeder kann Opfer, jeder kann Täter werden (keine ste­reo­ty­pe Bilder),
    Auswahl der Opfer nach be­lang­lo­sen Un­ter­schie­den(Klei­dung, So­zi­al­sta­tus, etc.) 
  • Täter haben meist Un­zu­läng­lich­kei­ten, von denen Sie mit Ihren Ak­tio­nen ab­len­ken wollen
  • Mob­bingak­tio­nen werden durch die Grup­pen­dy­na­mik an­ge­sta­chelt und für rech­tens erklärt
  • Da die Ak­tio­nen ver­deckt bzw. ab­wech­selnd von meh­re­ren Tätern aus­ge­führt werden, sind sie schwer nach­weis­bar
  • Täter er­ken­nen meist nicht, wie sehr sie ihr Opfer damit ver­let­zen
  • Täter er­hal­ten durch Ihre At­ta­cken ein Macht­ge­fühl und einen "Le­bens­in­halt" mit dem sie Be­stä­ti­gung be­kom­men. Dadurch hören Sie selten von alleine wieder damit auf
  • Mob­bin­g­op­fer werden später teils selbst zu Mobber
  • Mob­bin­g­op­fer ver­in­ner­li­chen ihre Op­fer­rol­le oft so sehr, dass sie auch von Au­ßen­ste­hen­den als "ab­nor­mal" oder auch "selbst schuld" an­ge­se­hen werden
  • Mob­bin­g­op­fer sehen die Schuld teils bei sich selbst und so die Ak­tio­nen als ge­recht­fer­tigt an
  • Mob­bin­g­op­fer setzen sich in fast 50% der Fälle in­ten­siv mit dem Thema Suizid aus­ein­an­der.
  • Für­spre­cher für das Opfer halten sich meist zurück, da sie Angst haben, darauf hin auch gemobbt zu werden
  • Der Umgang mit dem Thema Mobbing gehört nicht zum Re­gel­stu­di­um der Lehr­kräf­te
  • Der Druck der Lehr­kräf­te, den Bil­dungs­plan durch­zu­set­zen ist so hoch, dass sie teil­wei­se gar nicht die Mög­lich­keit haben, sich in­ten­siv mit der Klas­sen­dy­na­mik zu be­schäf­ti­gen
  • Sta­tis­ti­ken für Cybermobbing nehmen ab
    (ob tat­säch­lich weniger Cy­ber­mob­bing statt­fin­det oder dieses nur besser ver­steckt wird, ist unklar)

Mussten Sie auch bereits Erfahrungen
mit dem Thema Mobbing machen?

Schi­cken Sie uns Ihre Er­leb­nis­se, Ge­schich­ten oder auch er­folg­rei­chen Tipps zum Umgang mit den Thema mit dem Betreff "Thema: Mobbing" an info@​eppingen.​org

Beispiele für Mobbing

Kör­per­li­che Gewalt


Psy­chi­sche An­grif­fe

verbal und non­ver­bal


An­grif­fe auf das Ansehen


An­grif­fe auf die so­zia­len Be­zie­hun­gen


Be­schä­di­gung/Ent­wen­dung von Ei­gen­tum


Cy­ber­mob­bing

In­te­gra­ti­on von So­zia­len Medien und Smart­pho­nes in die At­ta­cken. Foto- und Vi­deo­ma­te­ri­al, das das Opfer zeigt, wird über meist anonyme Zweit­ac­counts ver­öf­fent­licht. Be­haup­tun­gen/Be­lei­di­gun­gen werden online ver­öf­fent­licht.


Whats­App-Grup­pen

Die Täter gründen eine  Whats­App-Grup­pe, die als al­lei­ni­ges Thema hat, über eine Person zu lästern.
Diese Person wird über die Exis­tenz der Gruppe von den Tätern bewusst in Kennt­nis gesetzt.

Symbolbild: pixabay#2048905 ©Anemone123
Symbolbild: pixabay#2048905 ©Anemone123
 

Merkmale/Indikatoren – wird mein Kind gemobbt?

Hierbei sollte man vor­sich­tig sein und keine vor­ei­li­gen Schlüs­se ziehen. Viele Auf­fäl­lig­kei­ten sind normal oder haben eine andere Ursache. Sollten unten ge­nann­ten Punkte erfüllt werden, sollte man erstmal sein Kind und even­tu­el­le Ver­än­de­run­gen be­ob­ach­ten. Sollten diese Auf­fäl­lig­kei­ten auch nach einem län­ge­ren Zeit­raum nicht ver­schwin­den, könnte ein Fall von Mobbing vor­lie­gen:

  • Das Kind wird merkbar leiser
  • Fehl­ta­ge
  • Ver­ein­sa­mung
  • Rückzug
  • einen Gro­ß­teil des Tages mit Com­pu­ter­spie­le ver­brin­gen (vor allem bei Jungs)
  • Hungern (vor allem bei Mädchen)
Symbolbild: pixabay #2048905 ©Anemone123
Symbolbild: pixabay #2048905 ©Anemone123

Wie reagiere ich auf Mobbing?

FALSCHER Umgang

Die Si­tua­tio­nen sind meist stark emo­tio­nal auf­ge­la­den und gepaart mit dem Wunsch nach Ver­gel­tung.
Dadurch können Kurz­schluss­re­ak­tio­nen die ohnehin fest­ge­fah­re­ne Si­tua­ti­on im schlimms­ten Fall noch weiter ver­schlim­mern. Was nichts bringt:

Wehren / aus dem Weg gehen / über sich ergehen lassen

Die klas­si­sche Fight-or-flight Option, mit der unsere Vor­fah­ren auf Ge­fah­ren re­agiert haben (also bei Be­geg­nung mit z.B. einem wilden Tier ent­we­der zu kämpfen, zu flüch­ten oder sich tot zu stellen), bringen hier leider in keinem Fall einen Erfolg.


Den Täter be­stra­fen

Dies ver­här­tet nur die Fronten. Es fördert die An­ti­pa­thi­en der Täters auf sein Opfer und be­stärkt ihn in seinem Tun.


Kind von der Schule nehmen

Eine häufige Re­ak­ti­on der Eltern ist es, Ihr Kind auf eine andere Schule zu nehmen, wenn das Problem nicht schnell genug gelöst wird. Dies bringt jedoch keinem etwas: Auf der bis­he­ri­gen Schule rückt ein Kind in die Op­fer­rol­le nach und das bis­he­ri­ge Mob­bin­g­op­fer ist meist bis dahin schon so sehr in seine Rolle ge­drängt worden, das es ihm an neuen Schulen schwer fällt, An­schluss zu finden, wobei es gleich­zei­tig neue "Mobber" auf sich auf­merk­sam macht.


Lösungsansätze

No Blame Ap­proach – über 80% Er­folgs­quo­te

  1. Ge­spräch mit Mob­bin­g­op­fer. Be­trof­fe­ner kann sich alles von der Seele reden. Es wird eine Liste mit etwa 8 Namen er­stellt, jeweils zur Hälfte auf­ge­teilt in Haupt­tä­ter und Für­spre­cher/Freunde des Opfers.
  2. Im Beisein des Klas­sen­leh­rers werden po­si­ti­ve Ei­gen­schaf­ten der Schüler aus der Un­ter­stüt­zer­grup­pe her­aus­ge­ar­bei­tet, mit denen dem Mob­bin­g­op­fer bei­ge­stan­den und ge­hol­fen werden kann.
  3. Die Un­ter­stüt­zer­grup­pe ar­bei­tet selb­stän­dig die stärken jedes ein­zel­nen heraus. Dis­kus­si­on mit dem Ziel zu er­ken­nen, dass es keine Recht­fer­ti­gung für Mobbing gibt. Es wird er­ar­bei­tet, was jeder ein­zel­ne aus der Gruppe tun kann, um zu helfen.
  4. Nach 2-3 Wochen wird ein Ge­spräch mit allen be­trof­fe­nen geführt

Dieser Ansatz stützt sich auf fol­gen­de Punkte:

  • Ver­trau­en in die Kom­pe­tenz und das Ver­ant­wor­tungs­be­wusst­sein der Schüler, Pro­ble­me selbst­stän­dig zu lösen
  • Alle Be­tei­lig­ten sind auf Au­gen­hö­he
  • Lö­sungs­ori­en­tier­tes Handeln
  • Ver­zicht auf Strafen und Schuld­zu­wei­sun­gen

Kinder selber Regeln auf­stel­len lassen

Jede Schule hat eine Schul­ord­nung. Einige Schüler kennen diese bereits gut, da sie sie schon des Öfteren ab­schrei­ben mussten, doch das Ver­ständ­nis und die Ak­zep­tanz für diese Regeln fehlt meist kom­plett.
Lässt man jedoch die Schüler in der Gruppe selber ihre Regeln auf­stel­len, so erlebt man unter anderem:

  1. Für Schüler steht Ordnung, Sau­ber­keit und Si­cher­heit an erster Stelle (kaum Ab­wei­chun­gen von der ei­gent­li­chen Schul­ord­nung)
  2. Die Not­wen­dig­keit und der Sinn der Regeln werden deut­lich besser ver­stan­den, wenn sie die Schüler selber er­ar­bei­tet und auf­ge­stellt haben
  3. Schüler setzen sich dafür ein, dass Ihre selbst auf­ge­stell­ten Regeln in der Gruppe auch ein­ge­hal­ten werden

Diese Methode bewirkt durch Selbst­be­stim­mung passiv, dass es weniger Mob­bing­fäl­le gibt. Die Schüler werden dadurch Be­schäf­tigt und es werden Be­dürf­nis­se bedient, welche an­sons­ten po­ten­ti­el­le Täter mit Mobbing ver­su­chen zu be­frie­di­gen. In den meisten Fällen ver­stö­ßt Mobbing auch gegen die von der Gruppe auf­ge­stell­ten Regeln.


Mehr Lehr­kräf­te ein­set­zen

Pro­jek­te haben gezeigt, dass an Schule mit er­höh­tem Einsatz von Lehr­kräf­ten, "nicht-norm-Kin­der" besser in die Gruppe ein­ge­bun­den werden.


Rat bei Ex­per­ten

Wer un­schlüs­sig ist, wie mit dem Problem um­zu­ge­hen ist. Kann sich auch je­der­zeit Un­ter­stüt­zung holen:

  • Schul­so­zi­al­ar­bei­ter
  • Schul­psy­cho­lo­ge
  • Be­ra­tungs­stel­le
  • Mit­ar­bei­ter­ver­tre­tung
  • Dienst­vor­ge­setz­ter

Vielen Dank an Frau Göt­ze-Matt­mül­ler (stell­ver­tre­ten­de Schul­lei­te­rin der Chris­ti­an-Hein­rich-Zel­ler-Schu­le), Thors­ten Gabor (Fach­be­reichs­lei­ter Ju­gend­ar­beit), sowie Markus Schniz­ler und Andreas Werner der Dia­ko­ni­schen Ju­gend­hil­fe, die uns einen tie­fe­ren Ein­blick in die Materie ge­lie­fert und sich für unsere Fragen Zeit ge­nom­men haben.

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