Försterling/Kubin - Jochen Diehm - Harry van Essen - Hinrich Zürn - Michael Fekete - Rostislaw Zadykowitsch - Ralph Nieling

Harry van Essen:

Der aus den Niederlanden stammende Kunstmaler Harry van Essen lebt und arbeitet seit 1989/90 in Richen bei Eppingen. Ich wurde auf ihn aufmerksam, als er mit seiner damaligen Lebensgefährtin sehr sensibel einen alten Bauernhof restaurierte, um darin zu leben und ein Malatelier zu eröffnen. Schon beim Umgang mit den originalen Materialien, wie Mauersteinen, den von Sonne und Zeit gebleichten Brettern der Scheune, den handgestrichenen Bieberschwanzziegeln, die das Licht in eine lebendige Skulptur verwandelt, spürte man einen selten gewordenen Respekt vor den bewährten Dingen einer traditionellen Lebensweise. Im Dezember ´98 eröffnete er dann das Atelier Lotus in der Gemminger Str. 23, wo er auch heute noch wohnt und arbeitet.

Schon früh durch seine Mutter, die selbst als Kunstmalerin in Holland lebt, wurde Harry van Essen in die Techniken des Zeichnens und Malens eingeführt. Unterwegs in der Welt wurde die Kunst dann zu seinem Beruf.

Als Student der Ethnologie ging er im Alter von 21 Jahren nach Afrika. In Benin, Ghana und Togo, wo er fast 3 Jahre lebte, stellten sich die von unserer europäischen Welt geprägten rationalen, ausbeuterischen Werte in Frage. Völlig außerhalb ihm bekannter Zusammenhänge lebend, erfuhr er durch die Religion der Voodookulte eine gänzlich andere Realität, die neue spirituelle Bezüge zu den „wahren“ Dingen des menschlichen seins herstellte.

Durch diese Erfahrungen in ein anderes Denken initiiert, reiste er jahrelang durch verschiedene Länder, um seine neue Sichtweise zu vertiefen. In Griechenland lernte er den Ikonenmaler Jannis Palamidis kennen, der ihm den ersten Kontakt mit Leim- Kreidegründen verschaffte, was für seine spätere Malerei von Bedeutung werden sollte. Damals experimentierte Harry van Essen mit akustischen Klängen, die er in den Geräuschen einer natürlich gebliebenen Welt vorfand. In der Kassette „Sounds of Amorgos“ hört man das Rauschen der Wellen, welches in das Gesummen von Bienen und in den Hauch des Windes übergeht.

So reiste er als Adept immer auf der Suche nach den wahren, tragfähigen Werten des Lebens, durch ganz Europa. In Indien machte er dann bei verschiedenen Meistern Erfahrungen in der Meditation, die noch heute seinen Tagesrhythmus bestimmt. Der Meditierende strebt nie nach Bedeutung in der Welt. Er strebt nicht einmal nach Wahrheit, denn die letzte Wahrheit ist immer jenseits menschlicher Erkenntnis. Alles wonach er strebt ist Liebe, die völlige Identität mit allem.

Die Versuche die Welt wissenschaftlich zu begreifen, die politischen Kämpfe auf der Straße für mehr Gerechtigkeit, gegen Krieg und Ausbeutung lagen weit hinter ihm. Das Motto, das er 1997 einer Ausstellung seiner Bilder voranstellte, bringt seinen neuen Erkenntnissen auf einen Punkt: „ Auf dem Weg, im Licht der inneren Suche liegt der Ort, wo der Spiegel der Wahrheit unsere Ganzheit reflektiert, wo der Fluß des Lebens bis in die ursprüngliche Erfahrung der Seele strömt.“

In Harry von Essen´s Bildern geht es nicht um die physische Darstellung der Natur, was er technisch perfekt beherrscht, sondern um die innere Wahrheit der Schöpfung, um das Geheimnis oder das Mysterium das in allen Dingen aufscheint.

In einem Tryptichon, aufgebaut wie die mittelalterlichen Flügelaltäre, sehen wir in drei Bildern eine „Bachlandschaft“ fortlaufend erzählt. Von links unten nach rechts oben fließt das Wasser um Steine, Pflanzeninseln und Uferlinien. Das mittlere Bild ist in seinem Motiv nicht aus dem Zusammenhang hervorgehoben. Seine Bedeutung erhält es lediglich dadurch, dass es 5 cm breiter ist als seine flankierende Teile. Also kein Hinarbeiten auf ein Hauptmotiv, eine Hauptaussage, wie es in der christlichen Malerei des Mittelalters der Fall wäre, sondern lediglich eine leise Betonung, die das Nebensächliche, das am Rande stehende nicht verschluckt: alles ist ein mystischer Komplex des ganzheitlichen Seins.

In seiner Serie von vier gleichgroßen quadratischen Bildern werden „Die 4 Elemente“ dargestellt. Die in der Antike häufig durch Gottheiten symbolisierten Elemente (Feuer – Vulcan, Luft – Juno, Wasser – Neptun, Erde – Kybele) werden hier durch Pflanzen dargestellt.

Die Feige bedeutet das Feuer, die Luft die Olive, deren Blätter im Wind glitzern und glänzen, das Wasser ist die Lotusblüte und die Fruchtbarkeit der Erde erscheint in einer Weinranke.

In seinen „3 Aspekten der Zeit“ sieht man in surrealer Art drei Vögel die Handlungsweisen der Menschen darstellend. Der Erste pickt sich eine Schraube aus der zerbrochenen Uhr und trägt sie im Schnabel. Angezogen von der Materie lebt er ein fremd gesteuertes Leben. Der zweite schwebt mit ausgebreiteten Schwingen in der Luft. Er ist in dem Zustand des vollkommenen Glücks. Der Dritte sitzt auf einem Pfosten, beobachtet die Welt und reflektiert sein Handeln.

„Immer wieder ist in den Bildern Harry van Essen´s ein Tiefensog festzustellen, der sich meistens in der Mitte des Bildes manifestiert. Dieser wird nicht durch eine raffinierte perspektivische Darstellung erreicht, vielmehr schafft dies die nicht genau verortbare Lichtquelle der Komposition. Wir werden eingeladen, manchmal ganz deutlich und manchmal sehr verhalten, in die Bilder einzusteigen und uns auf die Reise in die Welt der Natur, aber es ist eine metaphysische Reise, letztendlich eine Reise zu Gott“, sagte die Kunsthistorikerin Sigrid Spies, die 1998 die Ausstellung „Augenweide“ eröffnete.

Mit Hilfe der Bilder können wir uns in den Einstieg zur inneren Versenkung erleichtern, Heute würden wir diesen aus dem Mittelalter stammenden Begriff mit Meditation übersetzen. Meditation zielt auf Erleuchtung. In Harry van Essen´s Bildern leuchtet „das fließende Licht der Gottheit“ wie die Mystikerin Mechthild von Magdeburg sagte
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Um einen Ort des Wohlbefindens zu schaffen hat er seine künstlerische Tätigkeiten erweitert. Er hat sich in letzter Zeit auf Wand- und Raumgestaltungen spezialisiert. Die Kaseinmalerei mit ihren natürlichen Bestandteilen (Vollmilch enthält ca. 3% Kasein) leuchtet durch das Aufschließen mit eingestampften Marmorkalk, (wobei der Kalkkaseinleim entsteht) in schönen matten Farben der Fresko-Palette und besitzt eine dauerhafte Bindekraft, die völlig wasserunlöslich ist. Je länger ein abgelöschter Kalk in der Grube lagert, desto mehr erhöht sich seine Qualität für künstlerische Zwecke. Im alten Rom durften nur 3 Jahre lang eingesumpfter Kalk für Malereien Verwendung finden. Harry van Essen bietet Farbgestaltungen mit Kaseinfarben in Wischtechniken mit Farbverläufen sowie Schablonenmalerei für ganze Räume und Hausfassaden. Ton in Ton oder vollständige Farbpalette, auch Wandmalerei nach klassischen Gemälden.

Frank Dähling, Raußmühle Eppingen, 2002

Besuchen Sie doch einmal das Atelier Lotus und sprechen Sie mit dem Künstler persönlich. Harry van Essen hat seit kurzem auch eine eigene Internetseite, die unter www.atelier-lotus.com zu besuchen ist.