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Wir
umrunden ein paar zusammengefegte Steinhaufen und stehen vor dem halb
fertigen Gewänd eines ovalen Fensters in rotem Sandstein. "Geht
nach Heidelberg, irgendein Bauwerk. Ich arbeite nach einer Zeichung,
die mir vorgelegt wurde". "Meine Art den Beruf des Steinbildhauers
auszuüben, betrachte ich als einen Beitrag zur Ökologie. Hier
gibt's keinen Presslufthammer ganz selten eine Flex. Alles wird wie
früher mit historischen, teilweise sehr alten Werkzeugen durchgeführt,
d.h. viel weniger Staub, Lärm und Stress" Auf einem Tisch
das gut geschärfte Werkzeug in peinlicher Ordnung. Zahnflächen,
Zahneisen, Krönel, Stockhämmer (auch Kraushämmer genannt),
Beizschlageisen, Schariereisen ¼, ½ und volle Preller,
Spitzeisen, Setzeisen zum Absprengen von Bossen. "Wenn man bedenkt,
dass der Schmied Fritz Bender aus Niederhofen, der mir meine Eisen ausschmiedet
und härtet schon 70 Jahre ist, sieht's düster aus. Die jungen
Schmiede können das nicht mehr. Und da nur noch wenige diese Werkzeuge
brauchen, lernen sie's auch nicht".
  Wir
sprechen über das alte Handwerk, das immer weiter in Vergessenheit
gerät. Heute wird der Stein nur noch gesägt. Da das Wort "Steinmetz"
vom Althochdeutschen "meizan" kommt, was "hauen"
bedeutet, sollten sich die heutigen Steinmetzen Steinsäger nennen.
Selten werden heute noch Steinmetzzeichen in Werkstücke geschlagen.
Steinmetzzeichen sind monogrammartige oder geometrische Zeichen, die
von den Steinmetzen seit Mitte des 12. bis Anfang des 16. Jahrhunderts
in die bearbeiteten Steine gehauen wurden. Sie waren Erkennungsmittel
(z.B. für die Lohnberechnung), in den Bauhütten des Mittelalters
auch Ehrenzeichen. Der Alltag eines freischaffenden Steinbildhauers
besteht aus der Herstellung von Bauteilen, wie Fenstern, Türgewänden,
Ecksteinen und statischen Elementen, Inschriften, Grabsteinen und Gartenschmuck.
Selten hat man Zeit einen eigenen Entwurf zu planen und durchzuführen.
Natürlich sind die Steinmetzen oft Künstler, das gekonnte
Handwerk geht in den Bereich der Kunst über, man will sein eigenes
Formverständnis und seine Formensprache fixieren, um Teil zu nehmen
an der künstlerischen Manifestation des Menschen. Auf M. Feketes
Visitenkarte steht : Fekete (der kommt übrigens aus dem Ungarischen
und bedeuten "schwarz"), Restauration in Naturstein und unikate
Ornamentitk, was immer das sein mag.
Wir
setzen uns an den niedrigen überladenen Tisch hinter dem Pläneschrank,
daneben der selbstgemauerte Ofen mit dem langen Ofenrohr, das in den
restaurierten Schmiedekamin geht. Bald kommt der Winter überlege
ich und erinnere mich an ein Gespräch vor ein paar Jahren. Man
fröstelte am Ofen, der Wärme produzierte, die hoffnungslos
in dem großen Atelier verschwand. Der alte Hund Michas lag mit
dem Fell an den warmen Stein geschmiegt und zwischen uns kam das Gespräch
trotz heißem Tee nur schwer in Gang.
Heute ist es anders. Wir reden über die alten Bauhütten, ich
erzähle vom Film über Goldworthy: Rivers and tides, Micha
war schon Jahre lang nicht mehr im Kino. Okay er geht auch nicht in
diesen wichtigen Film über einen ökologischen schottischen
Künstler. Von der konkreten zur spekulativen Maurerei, wir sind
bei den Freimaurern angelangt. "Obwohl ich die Dome und Kirchen
des Mittelalters von ihrer handwerklichen Seite bewundere, sind sie
groteske Anmaßungen, hypertrophe Denkmäler der menschlichen
Sehnsucht", sagt Micha. "Schlimmer natürlich die, die
die Dome bombardieren, die die Erde in eine Wüste verwandeln",
sagt er weiter. "Selbst in seinem Anspruch großartige Künstler
zu sein, ist der homo sapiens bloß eine Epigone", erweitere
ich.
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