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| Jochen Diehm: |
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Von Eppingen kommend biegen
wir kurz vor Grombach links ab in Richtung Steinsfurt. Erster Feldweg
rechts, die letzten Häuser hinter uns lassend, fahren wir in ein
enges kleines Tal mit einem mäandrierenden Bächchen. Durch das
fast bis zum Ufer bewaldete Tal fährt die Eisenbahn. Nach einigen
hundert Metern führt eine Brücke zu einem schmucken Bahnwärterhäuschen
auf der anderen Bachseite. Hunde bellen, aus einem Freakbus schauen verschlafen
ein paar Bewohner. Vor diesem Anwesen befindet sich das "Freiluft-Atelier"
des Bildhauers Joachim Diehm. |
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Dieses zusammengeklappte Kurzliegebett, das Taschenmesser mit Bierdosenöffner, die Brotschneidemaschine (der Kurbelgriff abgebrochen, wie´s mit diesen Massenartikeln in der Realität immer wieder geschieht!), natürlich das Handy (als Diktiermikrophon bezeichnet!), das steinschwer auf unseren nutzlosen Gesprächen liegt, der Vogelkäfig (man bedenke: Diese luftige Gitterkonstruktion aus einem Steinblock herausgehauen!), Kuchengitter, Besteckabtropfbecher (das Wortungetüm ist selbst schon eine bedrohliche Ungeheuerlichkeit), Klebebandrolle, Knäckebrot, Sechserpack, Koffer, Zitronenpresse, Autobatterie, Wäscheklammer, Nadelkarte, Abfalleimer, Badeschuhe, Kassettenpapier, Radiorückwand, Gugelhupf (steht nicht ein echter Gugelhupf auf dem Werkbock?), zerbeulter Kanister und Verbandskasten! |
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Wir machen nach einem Schluck Wein einen kleinen
Rundgang durch Jochen Diehms Arbeitsplatz: Eine seltsame leicht gebeugte
Stele vor einem Hühnerstall, unvollendet, da die Skulptur (genannt:
der Hühnergott) auseinandergebrochen ist, in einer Bachschleife
eine gerade ausschlagende Weidenskulptur. Ein idealer Platz zum Nachdenken,
zum Hereinlassen von Ideen. |
Jochen Diehm erzählt über die Entstehung
seiner Kunstwerke: "Am Anfang steht meist eine ,fixe Idee', etwas
drängt in mir herauf und will herausgelöst werden. Diese Idee
ist oft nur eine Ahnung, ein Gefühl ohne konkrete Form. Die Arbeit
hängt von der Glücklichkeit der Umgebungseinfälle ab.
Gleich, wie bei der Lösung eines Problems, müssen verschiedene
Möglichkeiten durchgespielt werden. Der Weg zum Ziel bewegt sich
zwischen totaler Blockade und beschleunigter magnetischer Anziehung.
Zerdrücktes Blech, Fingerabdrücke, organische Wucherungen,
Ruinenrahmen, geknitterte Postkarten, verzerrte, geblähte Übertragung
konischer Schächte. |
Wir könnten noch stundenlang bei Jochen
Diehm in seiner improvisierten Werkstatt philosophieren. Beim Abschied
stehen wir vor seinem letzten großen Bildwerk: Ein ca. 3,50 Meter
hoher aufgeschichteter Steinhaufen aus Porphyr. Die Steine sind, sich
ineinander verkrallend, passgenau aufeinandergesetzt. Diese Arbeit ist
von Außen nicht sichtbar. Des Künstlers Handwerk liegt im
Inneren der Skulptur. Jochen Diehm verabschiedet sich mit dem Satz: " Wir sind zwar alle Liebhaber der freien Künste, trotzdem können wir für nichts garantieren". Wir lachen und sind sicher, dass wir wiederkommen. |
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Frank Dähling, Raußmühle
Eppingen, 2002 |
| Biografie:
1958 Geburt in Heilbronn |